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Peter Weil und Werner Buss (r.) von der Firma GOP, dem „kleinen, feinen Bruder des Zirkus“.

Mini-Jubiläum des GOP

„Wir sind in München angekommen“

München - Peter Weil, Direktor des hiesigen GOP, und Kreativchef Werner Buss sprechen im Interview mit dem Münchner Merkur über ihr besonderes Varieté-Konzept.

GOP – diese drei Buchstaben stehen ursprünglich für das Traditionsvarieté im Georgspalast in Hannover. Heute ist das Theater auch in fünf weiteren Städten in Deutschland zu Hause, unter anderem in München, wo es heuer sein fünfjähriges Jubiläum feiert. Im Interview sprechen Peter Weil, Direktor des GOP München, und Werner Buss, Kreativchef der GOP Entertainment Group, über nackerte Beine, Biergärten und das Münchner Publikum.

Das Markenzeichen des wohl berühmtesten Varietés, des Moulin Rouge in Paris, ist der Cancan. Werfen auch bei Ihnen Tänzerinnen ihre Beine in die Luft?

Weil: Nein. Das ist ein weitverbreitetes Klischee, das mit Varieté nichts zu tun hat. Als ich beim GOP angefangen habe, haben meine Freunde mich im Vorfeld auch gefragt: „Was ist das eigentlich? Kann ich da meine Frau mit hinbringen?“

Buss: Das Moulin Rouge oder das Lido sind keine Varietés, sondern Revuetheater. Bei denen liegt der Schwerpunkt auf einer Tanzshow mit nackerten Beinen. Das ist einfach ein anderes Genre.

Was  ist  Varieté?

Buss: Der kleine, feine Bruder des Zirkus. Das, was beispielsweise der Cirque du Soleil in einem Zelt mit 3000 Plätzen macht, auf Wohnzimmergröße eingedampft. Eine Mischung aus modernem Zirkus, Tanz, Musik und Kabarett.

Wie ist so eine Show denn genau aufgebaut?

Buss: Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Typen von Shows: Bei der einen Variante führt ein Moderator, meist ein Kabarettist oder Comedian, durch den Abend. Die ganze Show ist auf seine Persönlichkeit ausgerichtet. Die andere Variante sind Konzeptshows, in denen genau aufeinander abgestimmte Nummern eine Idee bebildern.

Weil: Solche Konzeptshows sind emotionaler, aber auch weit schwieriger zu gestalten. Ganz ohne Worte müssen wir hier einen roten Faden entwickeln, eine Geschichte, die der Zuschauer verfolgen kann.

Alle zwei Monate zeigen Sie eine neue Show, jedes Jahr entwickeln Sie rund zehn Showkonzepte. Wie kommen Sie auf neue Ideen?

Buss: Ich reise zu Artistenschulen und Nachwuchsfestivals und lasse mich von dem, was ich dort sehe, inspirieren. Oft entstehen Ideen aber auch aus purem Zufall: vor drei Jahren zum Beispiel habe ich auf einem Spaziergang durch Paris ein Geschäft entdeckt, in dem nur altes Spielzeug verkauft wurde. Ich stand vor diesem wunderschönen Schaufenster und fühlte mich an ein Bühnenbild erinnert. Schon war das Grundkonzept für unsere Show „Toys“ da, in der ein Spielwarengeschäft nachts zum Leben erwacht.

Am Standort München feiert das GOP heuer sein fünfjähriges Jubiläum. Welche Bilanz ziehen Sie?

Weil:  Wir haben es geschafft, in München anzukommen: Die Theatergemeinde akzeptiert  uns,  das Publikum sowieso.

Klingt, als wäre das nicht immer so gewesen.

Weil: Stimmt. In München ist uns der Start schwerer gefallen als an anderen Standorten. Während wir gewöhnlich etwa zwei Jahre brauchen, um uns in einer Stadt zu etablieren, hat es hier ein Jahr länger gedauert. Wir mussten uns mehr ins Zeug legen, aber es hat sich gelohnt: Über das Jahr gerechnet sind wir zu knapp 80 Prozent ausgelastet.

Wie erklären Sie sich die anfängliche Zurückhaltung der Münchner?

Weil: Zum einen war Varieté für München ein ganz neues Genre, die Leute wussten nicht, was sie erwartet.

Buss: Zum anderen gibt es in München neben uns knapp 60 andere Theater.

Weil: Und nicht nur die. Im Sommer sind nicht andere Theater  unsere  größte  Konkurrenz,  sondern  die  Biergärten.

Wer kommt heute zu Ihnen?

Buss: Unser Publikum ist bunt gemischt. Das ist das Schöne am Varieté: Es ist nicht elitär. Zu uns kommen alte und junge Menschen, der Vorstandsvorsitzende genauso wie der Rentner. Die Shows gefallen meinem Sohn wie meinen Eltern gleichermaßen.

Weil: Dass wir diese Mischung im Laufe der Jahre hinbekommen haben, macht uns stolz. Manch ein Zuschauer sagt uns heute: „Wir wussten gar nicht, was uns gefehlt hat, bevor ihr gekommen seid.“

Das Gespräch führte Katharina Mutz.

Aktuelle Show: „Spirit“ läuft bis 1. September; Karten unter Telefon 089/ 210 288 444

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