Wirbelnde Bürofenster

- Stadtporträt bei Nacht. Wie ein fein gemusterter Schleier zieht sich das Olympiastadion über die von Lichtern gepunktete Dunkelheit. Überdeutlich grinst das BMW-Zeichen als "Smiley" aus der vielschichtigen Fläche, durch die die großen Straßen wie strahlende Locken wallen. "Multiples" heißen diese Fotografien, die nicht nur 360 Grad abtasten, sondern auch Mehrfachbelichtung einsetzen. Mit diesen übereinander gelegen Blicken vom Olympiaturm, platziert im ersten Stock des Stadtmuseum-Treppenhauses, verknüpft das Fotomuseum die Ausstellung "München wie geplant" mit einer kleinen Werkschau von Peter Neusser (Jahrgang 1966).

<P>Stadt ist sein Thema, wenn auch von Naturerfahrungen inspiriert. Die Atlantikküste mit Ebbe und Flut hatte den jungen Münchner Fotografen fasziniert; er wollte die Zeitebenen einfangen. "Ich habe die verschiedenen Lichtpunkte auf der Wasserfläche festgehalten." Dieses Prinzip lässt sich auch bei einer Leuchtkasten-Arbeit überprüfen: Standpunkt Technisches Rathaus. Hier ist München kein Lichtpünktchen-Meer, vielmehr verwirbeln sich die Lichtraster von zig Bürofenster-Fronten. Solche urbanen Charakteristika herauszufiltern, ist das Projekt, das Neusser in den Hauptstädten der neuen EU-Länder verwirklichen möchte.<BR><BR>Auch bei der Werkgruppe der "Urbanities", die in New York begannen und in München fortgeführt wurden, untersucht Neusser städtische Details, Nebensächliches zumeist, das niemand beachtet, das aber "typisch moderne Stadt" ist. Ungewohnte Schärfen und Unschärfen verhindern platten Realismus. Das steigert sich bei den fünf Fotografien zum "Bildprojekt Theresienhöhe", die den Baufortschritt eben nicht dokumentieren. Die Mehrfachbelichtungen verwandeln die Fotos in frottage-artige, schwarzweiße "Gemälde" voller Rätsel. </P><P>Bis 26. September.<BR><BR></P>

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