Auf dem Sprung ins nächste Finale: Die Teilnehmerin steht heuer schon fest, nun muss nur noch der Song gefunden werden, mit dem Lena beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf ihren Titel verteidigen soll. Foto: Pro Sieben

„Es wird bestimmt alles total cool“

München - Sie wurde über Nacht zum Liebling der Nation. Mit ihrem Hit „Satellite“ gewann Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest. In der Sendung „Unser Song für Deutschland“ präsentiert sie neue Lieder. Das Publikum entscheidet, mit welchem sie beim Finale antritt.

-Nach Ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest letztes Jahr war halb Deutschland im Lena-Fieber. Können Sie mittlerweile wieder auf die Straße gehen, ohne dass es einen Menschenauflauf gibt?

Einen Auflauf hat es bis jetzt noch nie gegeben! Bis heute werde ich zwar auf der Straße immer wieder erkannt, aber damit kann ich ganz gut umgehen. Ich habe auch mein Privatleben die ganze Zeit relativ normal gelebt. Natürlich habe ich gewisse Maßnahmen ergriffen, ich habe zum Beispiel eine andere Telefonnummer und bin umgezogen und so.

-Wie fühlt es sich an, wenn man über Nacht zum Star wird?

Es hat sich schon sehr, sehr viel in meinem Leben verändert, aber nicht im negativen Sinne. Ich glaube, es ist am allerwichtigsten, was man selber von der Geschichte hält, und nicht, was die anderen auf einen projizieren. Es ist irrelevant, ob alle um mich herum hypen oder nicht. Ob es jetzt darum geht, wie ich mein Privatleben verbringe, wie ich mich verhalte, oder um den Eurovision Song Contest. Wenn ich mir selber keinen Druck mache, dann habe ich auch keinen Druck.

-Was ist Ihr Ziel beim Eurovision Song Contest im Mai in Düsseldorf, wo Sie ihren Titel gegen die europäische Konkurrenz verteidigen sollen?

Mein Ziel für die Titelverteidigung ist es, nicht Letzte zu werden - und ich hoffe, das kriege ich auch irgendwie hin.

-Zuvor stellen Sie in drei nationalen Shows auf Pro Sieben und im Ersten ihre neuen Lieder vor. Wo liegt der Reiz für Sie, wenn Sie nur gegen sich selbst antreten?

Die Sendung heißt ja aus gutem Grund nicht „Unsere Lena für Deutschland“, sondern „Unser Song für Deutschland“. Die Musik steht im Vordergrund, nicht ich. Ich finde es auch ganz gut, dass es nicht so sehr um mich als Person geht. Für mich liegt der Reiz darin zu erfahren, für welches Lied aus meinem neuen Album sich Deutschland entscheiden wird. Wir wollen jeden Titel ziemlich neutral so präsentieren, wie es ist, und dann ohne große Beeinflussung den Zuschauer entscheiden lassen. Meistens ist es besser, wenn die große Masse aus dem Bauch heraus entscheidet, denn das ist dann wirklich das, was alle gut finden.

-Über den speziellen Akzent, mit dem Sie singen, wurde viel gesprochen und geschrieben, auch gelästert. Haben Sie sich den abtrainiert oder bleibt der als Markenzeichen erhalten?

Ich habe das nie als Markenzeichen gepflegt und mir jetzt auch nicht aktiv etwas anderes angewöhnt, sondern einfach weitergemacht wie zuvor. Eventuell hat sich der Akzent aber dadurch etwas verändert, dass ich in letzter Zeit viel mit internationalen Leuten spreche. Ich bin jemand, der sich total schnell anpasst, ich übernehme sprachlich immer voll viel von anderen. Wenn ich ein paar Tage in Sachsen bin und mit den Leuten rede, fange ich auf einmal plötzlich an zu sächseln. (Lacht.)

-Ihre neuen Lieder finden sich auf Ihrem zweiten Album, das im Februar veröffentlicht wird. Eines sollen Sie selbst komponiert haben, verraten Sie, von wem die anderen sind?

Mmmm - nee! Weil es ja auch um den Überraschungsmoment geht. Wenn man schon vorher wüsste, welcher Song von wem geschrieben wurde und worum es geht, wäre ganz viel Spannung aus der Show genommen. Es ist jedenfalls nicht so, dass Madonna einen Song bei uns eingereicht hätte. Wir haben Tausende Songs von den verschiedensten Komponisten gehört und rausgesucht, was mir am besten gefällt.

-Im April gehen Sie dann mit den neuen Liedern auf Tournee und wollen riesige Hallen füllen. Macht Sie der Gedanke an solche Megaauftritte noch nervös?

Auf jeden Fall! Wenn ich auftrete, bin ich immer nervös! Auch bei „Unser Song für Deutschland“ werde ich total nervös sein. Vor allem, weil das eine Nummer ist, wo ich plötzlich sechs Lieder hintereinander singe und performe, und in der Woche drauf noch einmal sechs. Das habe ich so noch nie gemacht, und ich habe noch nie eine Tour gespielt. Ich finde es total aufregend.

-Die Fernsehshows, der Eurovision Song Contest, das neue Album, die Tour - machen Sie auch irgendwann mal Pause?

Ich hoffe, dass ich zwischendurch auch mal kleine Päuschen habe, kleine Offdays. Es wird bestimmt alles ziemlich viel, aber auch ganz spannend und total cool, und nach dem Contest kann ich mir vielleicht ein paar Wochen frei nehmen.

-Und was machen Sie dann, um sich zu erholen?

Am allerliebsten fahre ich in ein Land, wo mich keiner kennt, mit Strand und Sonne.

-Sie liebäugeln ja dem Vernehmen nach auch mit einer Schauspielkarriere. Gibt es schon konkrete Pläne?

Schauspiel war ja eigentlich mein Plan A, und ich bin immer noch nicht ganz von dem Gedanken weg, weil ich tierisch Lust dazu habe. Ich gehe unheimlich gerne ins Theater und würde gerne selber auf der Theaterbühne oder vor der Kamera stehen. Aber ich habe keinen Masterplan für die nächsten zehn Jahre. Ich weiß nur, dass ich irgendwann einen Bauernhof mit Hunden und Pferden haben will - und mit Hühnern, damit ich immer frische und gesunde Eier habe.

Das Gespräch führte

Cornelia Wystrichowski.

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