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Bedingungen wie bei den Proben: Aus Brandschutzgründen mussten Sänger wie Publikum auf das Bühnenbild verzichten.

Cosi fan tutte

Wirrungen live: Pannen-Abend in der Staatsoper

München - Eiserner Vorhang kaputt, Sängerin plötzlich krank - die Bayerische Staatsoper kämpfte am Mittwoch bei „Così fan tutte“ gleich mit einer ganzen Reihe von Pannen.

Als sich nach der Pause der Samtvorhang in der Bayerischen Staatsoper zum zweiten Akt von „Così fan tutte“ hob, überwältigte Marina Rebeka (Fiordiligi) ein Lachkrampf: ein Fauxpas erster Güte. Eigentlich. Denn am Mittwoch sprach ihre erfrischend ehrliche Reaktion wohl etlichen Zuschauern aus der Seele. Zu viel war davor schief gegangen. Aber der Reihe nach.

Schon der knappe Einlass vor dem Beginn um 19 Uhr signalisierte, etwas stimmte nicht. Dann wars nicht mehr schwer, der „Eiserne Vorhang“ vor dem samtenen hing halbhochgezogen über der Bühne. „Er hatte sich eineinhalb Stunden vorher verkeilt“, sagte Sprecher Christoph Koch gestern. Und das gute Stück rührte sich nicht mehr. Aus Brandschutz-Gründen, denn der Vorhang trennt bei Feuer den Bühnen- vom Publikumsraum, hätte eine

Der Eiserne Vorhang klemmte und ließ sich nicht ganz öffnen.

Absage erfolgen müssen. Doch die Verantwortlichen wurden kreativ, zeigten Dieter Dorns Mozartstreich in abgespeckter Form und strichen das Bühnenbild.

Zwölf der 2101 Zuschauer war dies nicht genug, sie gaben – wie angeboten – ihre Karten zurück. Die anderen genossen den ersten Akt mit einem starken Ensemble. Gut, manches Mal irrlichterten die Sänger herum, der Dorfbewohner-Chor rang mit der Andeutung des Schiffs und Gyula Orendt (Guglielmo) sowie Lawrence Brownlee (Ferrando) kämpften bei ihrer Vergiftungszene auf jeweils vier Stühlen liegend gegen die Kippgefahr an. Aber diese Unwägbarkeiten passten irgendwie zu Mozarts komödienhaften Irrungen und Wirrungen. Und die Sänger seien das Spiel ohne Kulisse gewohnt, sagte Koch. „Diese Arbeit ist der Normalfall. Von sechs Wochen Proben arbeiten sie eineinhalb mit dem Bühnenbild.“ Also alles gut? Nein, es gab ja noch einen zweiten Akt.

In der Pause spürte Angela Brower (Dorabella) ihre Hände nicht mehr, so wurde es den Zuschauern mitgeteilt. Koch wollte dazu keine Auskunft geben. Aus 30 Minuten Wartezeit wurden 85, Gaëlle Arquez (Mrs. Meg Page in „Falstaff“) ereilte der Anruf unter der Dusche. Nur einem Einsingen in der Maske übernahm sie wie bei der ersten Aufführung der Wiederaufnahme von der Seite aus die Dorabella. Ihren Einsatz aber bekam ein Zuschauer-Drittel nicht mehr mit. Sie gingen ohne Möglichkeit auf Rückerstattung.

Der Vorhang konnte nachts repariert werden, am Sonntag steht „Così fan tutte“ wieder an. Aber ohne Brower, für sie springt Isabel Leonard ein.

Angelika Mayr

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