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Zwischen Fasching, venezianischem Karneval und Marionettentheater siedelt Paul Flora dieses Blatt mit Carabiniere und Pulcinell an (Ausschnitt). Foto: Museum

Wissen und Witz

Tegernsee - Das Olaf-Gulbransson-Museum Tegernsee ehrt Paul Flora mit einer großen Präsentation.

Man meint, ihn krächzen zu hören, den Raben, der seinen Schnabel in die venezianische Vedute (Stadtansicht) schiebt. Vor Kanal und Gondel kräht er sein eigenwilliges Lied: Es ist eine Hommage an Paul Flora (1922-2009), der sich sein Symboltier der Weisheit, Seltsamkeit und des Unglücks schuf. „Und wenn einem gar nichts mehr einfällt, macht man eben einen betrunkenen Raben“, erklärte dazu einst der Zeichner unkompliziert in einem Interview.

Mit diesem Satz überschreibt das Gulbransson-Museum Tegernsee jetzt auch passend seine Ausstellung. Denn unabhängig und authentisch gestaltete der hochgehandelte Illustrator sein Leben und Werk jenseits der hochkarätigen Verbindungen, die er hatte. 1957 bis 1971 belieferte er das Politikressort der „Zeit“ – und bewies dabei, dass er den Spagat zwischen Wissen und Witz, zwischen Akribie und großer Geste bestens beherrschte. Die Pole seiner Arbeit waren die perfekte Präzision von Komik und Charakteren in wenigen Strichen sowie das feinteilige, vielgliedrige Erfassen von stimmungsvollen Szenen. Bandbreite und Wiedererkennungswert sind dabei keine Widersprüche.

Diesem Phänomen widmet sich Tegernsee nun zum zweiten Mal: So schön die große Auswahl aus den Werken von 1948 bis 2007 ist, so wenig wuchert man damit. Außer einer thematischen Hängung, die Vergleiche ermöglicht, bleibt Flora wieder nur ein dürftiger Rahmen. Wenig für einen, der das Große Verdienstkreuz bekommen hat, Bühnenbilder und Bücher gestaltete, viele Ausstellungen von Innsbruck aus bestückte und sowohl in der Akademie als auch bei Wettbewerben präsent war.

Aber vielleicht hätte das Paul Flora gefallen: Er agierte aus dem Stillen. Mit Kindheit und Kriegserinnerungen rechnete er viel später mit überspitzer Feder ab. Der Mensch, wenn überhaupt existent, wird und bleibt dabei meist eine unselige Marionette. Es exerzieren rote Federbüsche in kantiger Fülle, eine verschnörkelte Kavallerie tut ihr Bestes in Reih und Glied, ein hohles Strich-Regiment ist „Nach Moskau“ unterwegs. Die Beschränkung auf die Umrisslinie, ihre stete Wiederholung, sind hier Floras Stilmittel.

Ganz anders die Stadtstimmungen: Schrebergärten mit Dinosauriern werden auf Hochhaus-Komplexen mit Tausenden von Strichen schattiert. „Penttown“ erhebt sich über den Dächern als Stadt der Seligen vor immergleicher, unseliger Büroschraffur. Diesen Licht- und Schattenseiten, der Kunst des Weglassens und des Verdichtens fügte Flora später wenige Farbakzente hinzu. Seien es nun venezianische Tristezza oder Rattenfänger: Hier wird ein begnadeter Zeichner fast zum Maler. Dass der Hochbetagte bis zum Tod vor einem knappen Jahr den Stift nicht weglegen konnte, ist beim Anblick dieser Bilder der Besessenheit selbstverständlich.

Bis 18. April, Telefon 08022/33 38.

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