Teufelskerl Pollersbeck: U21 steht nach Elfer-Krimi im EM-Finale

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Witz, Wahn und Wehe

- Ein Endspiel. Ein bisschen Zwölf Uhr mittags. Leiser Anklang an Tschechow. Und ziemlich viel Märchen. Vor allem aber ein gutes Stück. Das ist "Wilde - Der Mann mit den traurigen Augen" des österreichischen Autors Händl Klaus. So verdreht wie sein Name, so befremdlich der Titel. Beides macht zunächst stutzig, schürt Aufmerksamkeit. Ziel erreicht. Mit Spannung verfolgt man, wie der familiäre Katastrophen-Klüngel - Mutter verbrannt, Vater verstummt, die erwachsenen Kinder psychisch und sozial verwahrlost - sich den fremden Mann angelt. Wie er sich ihn in die quasi eigene verschwundene Welt einverleibt. Wie der Arzt ohne Grenzen keine Begrenzung kennt, weder im medizinischen Sinn - er sticht immer daneben - noch in lebenspraktischen Angelegenheiten. Ein Übriggebliebener in einer Restwelt. Einer, der sich nicht wehrt, dieser Horrorvision von Restmenschen hinzugefügt zu werden.

<P>Stimmung des Absurden</P><P>Im Werkraum der Münchner Kammerspiele hat der junge Boris von Poser dieses Stück makabrer Wirklichkeitssicht inszeniert. Und hat damit dem Haus eine gute Aufführung beschert: die dem Text genau nachspürt, ihn nicht zuklatscht mit Bildern, den Figuren Raum lässt. Keine aufdringlichen "Regieeinfälle". Keine auf platte Eindeutigkeiten reduzierte Interpretation. Von Poser gelingt es vielmehr, eine flirrende Stimmung des Absurden herzustellen, die Komik und Schrecken gleichzeitig zulässt.<BR><BR>Die Bühne - umrahmt von Schottersteinen. In der Mitte eine abgebrochene Eisenbahnbrücke. Rechts freies Feld mit Eisenstelen. Links Reste einer verwahrlosten Wohnung. Wie aus der Ferne gewesener Zivilisation ein sehr leiser, melancholischer Klangteppich. Und manchmal scheint für Momente auch so etwas wie Melancholie in den Gesichtern der Schauspieler auf.<BR><BR>Die sind hier alle gut, voller Verzweiflungswitz und nicht ohne Geheimnis. Matthias Bundschuh ist der alert-sanfte Brutalobube Hanno, der ununterbrochen mit einem Bleistift Boden, Wände, Schuhe voll kritzelt, als sei er das Gedächtnis der verschwindenden Menschheit. Martin Butzke spielt Bruder Emil als sentimentalen Terrorknaben zwischen Sympathie und Abscheu. Anna Böger ist als Schwester Hedy eine herrlich verhaltensgestörte Sirene - ihren langen Körper komisch kringelnd; flippig, quirlig, dämlich, naiv und berechnend.<BR><BR>Und Jochen Noch gefällt einmal mehr als der Mann mit den traurigen Augen. Er zeigt Gunter, den Arzt, als einen, der längst schon den Boden unter den Füßen verloren hat. Im Gepäck das ganze Leid dieser Welt - in Gestalt eines prall gefüllten Koffers mit den "unreinen" Verbänden der von Tbc befallenen Moldawier. Viel Beifall für einen gelungenen Abend zwischen Witz, Wahn und Wehe.<BR></P>

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