Der Wolf im Fuzzipelz

- Viel Zeit zu haben, muss schön sein. Keine Arbeit und darum viel Zeit zu haben, hingegen nicht. Was aber passiert, wenn Menschen keine Arbeit, viel Zeit und trotzdem ausreichend Geld zum Leben haben? Sind sie glücklich? Fehlt ihnen eine Aufgabe, ein Stück ihrer Identität? Kommen sie auf "bekloppte Gedanken"? So wie die Figur von Katharina Schubert, die sich in dem neuen Stück der Münchner Kammerspiele "Wir werden siegen! Und das ist erst der Anfang" einen Monarchen wünscht, damit man Revolution machen kann?

"Wir sitzen in Blasen und kommen dabei auf die verrücktesten Ideen."

Katharina Schubert

Christiane Pohle inszeniert im Neuen Haus das musikalische Projekt, das auf einer Idee und neuen Liedern des Elektropopmusikers PeterLicht, ehemals Meinrad Jungblut, beruht und heute um 20 Uhr Premiere hat. Eine Lichtgestalt ist PeterLicht eher nicht, denn seine Identität hat er erfolgreich verdunkelt. Man weiß etwa so viel: Sein Lied "Sonnendeck" war vor einigen Jahren ein Sommerhit, zum Auftritt bei MTV schickte er in Vertretung seiner selbst einen Bürostuhl, demnächst kommt seine dritte CD "Lieder vom Ende des Kapitalismus" heraus, und bei "Karoshi. Tod durch Überarbeitung" (2003) war er an den Kammerspielen schon einmal für die Musik zuständig.

Die Proben zu "Wir werden siegen!" habe er sogar zweimal besucht, erzählt Katharina Schubert, aber mehr als die BürostuhlGeschichte weiß sie auch nicht von ihm. "Ganz, wie man es als guter Autor macht, hat er sein Stück an uns abgegeben", sagt sie und schwärmt von den verschrobenen, absurden Liedern wie "Der Wolf im Fuzzipelz". Kein Musical, keine Revue erwarte den Zuschauer, obwohl die Darsteller zusammen mit Musikern singen und spielen. "Wir sitzen in Blasen und kommen dabei auf die verrücktesten Ideen. Meine Figur ist von ihren vielen Möglichkeiten verunsichert. Sie möchte Despotin werden, aber das funktioniert nicht, also sucht sie sich eine."

Die 28jährige, zierliche Blonde, die ihre Ausbildung am Wiener MaxReinhardtSeminar absolvierte und von der Burg an die Kammerspiele wechselte, hat schon viele ihrer Rollen mit einer niedlichen, verzweifelten Komik herausgeputzt, etwa die Hauptfigur in "Mein junges idiotisches Herz". "Ich bin an Witzen interessiert", schmunzelt sie. "Aber wenn man etwas oft gemacht hat, entsteht auch wieder die Sehnsucht nach dem total anderen. Etwa die Lust auf die Rolle mit Text, wenn man viel improvisiert hat." Dass es aber an den Kammerspielen etwa bei den Klassikern auch nicht ohne Improvisationen abgeht, ist leidlich bekannt. Im Fall Katharina Schubert kann man das im "Hamlet" besichtigen, wo sie die Ophelia spielt.

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