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Interview mit Kabarettist

Wolfgang Krebs: „Ich will niemanden verletzen“

München - Er ist Seehofer, Stoiber, Beckstein - und nun hat er auch noch ein Buch herausgebracht. Ein Gespräch mit dem Kabarettisten Wolfgang Krebs zur Veröffentlichung von „Nur Bayern im Kopf!“.

Der Vater Oberfranke, die Mutter Oberbayerin – so etwas scheint zu prädestinieren für perfekte Parodien diverser bayerischer Landesväter. Vor allem seine Rolle als Edmund Stoiber machte Wolfgang Krebs (48) bundesweit bekannt, doch zum Repertoire des Kabarettisten, der im schwäbischen Kaufbeuren lebt, gehören noch viele andere Figuren, prominente und nicht prominente. Seine schönsten Nummern – zum Beispiel aus der Bayern-3-Reihe „Die Drei von der Landtagskantine“ – hat Krebs nun im Buch „Nur Bayern im Kopf!“ zusammengefasst, das morgen erscheint. Das Vorwort schrieb übrigens Edmund Stoiber – der echte!

Sie sagen von sich, dass Sie ein schüchternes Kind gewesen seien – wie verträgt sich das mit dem Drang zur Bühne?

Schwer zu sagen – ich hab’ zwar schon als Kind Schülertheater gemacht, aber ansonsten war ich wirklich sehr schüchtern, bis ins Erwachsenenalter hinein.

Wie viele andere Parodisten haben Sie mit Franz Josef Strauß angefangen...

Das war Zufall. Wir haben 1988 in der Berufsschule ein Schattenspiel aufführen sollen, Schillers „Bürgschaft“, und ich sollte den Erzähltext sprechen. Bei der Generalprobe stand da ein Rednerpult mit Mikrofon im Saal, da bin ich hingegangen und hab’ spaßeshalber den Text wie Strauß gesprochen. (Spricht wie Strauß.) „Zu Dionys, dem Tyrrrannen, schlich...“ Großes Gelächter. Da habe ich erstmals den Wunsch verspürt, Schauspieler zu werden.

Stattdessen sind Sie zum Radio gegangen.

Weil man mir beim Arbeitsamt gesagt hat, es gebe schon so viele arbeitslose Schauspieler. Ich hab’ mich bei „Radio Allgäu“ beworben, saß aber nicht am Mikrofon, sondern habe Werbung akquiriert.

Wie kam’s dann doch noch zum Durchbruch als Stoiber-Darsteller?

Ich hatte schon seit 1990 als Parodist bei den Marktfestspielen in Blonhofen mitgewirkt, eine Art Nockherberg im Allgäu. Aus Blonhofen kannte mich Georg Ried vom Bayerischen Rundfunk, der mich im Jahr 2004 für die Fernsehsendung „Schwaben weißblau, hurra und helau“ empfohlen hat – als Ersatz für den echten Stoiber, der kurzfristig abgesagt hatte. Der Auftritt schlug so ein, dass ich noch im selben Jahr zu „Grünwald Freitagscomedy“ eingeladen wurde und bei „Quer“ angefangen habe.

Vermutlich haben Sie viele Reden Edmund Stoibers irgendwann auswendig gekonnt...

Fast. Wobei es früher viel schwieriger war, O-Töne zu kriegen. Es gab ja noch kein Youtube, da hab’ ich beim Autofahren immer B 5 aktuell gehört und nachgesprochen, was Stoiber da gesagt hat. Übrigens war das am Anfang eine gloriose Figur, ganz und gar unumstritten, erst nach seinem Verzicht auf das Ministeramt in Berlin im Jahr 2005 ließ die Verehrung nach. Von da an haben die Leute wirklich herzlich über ihn lachen können, auch wegen der Versprecher. Vorher war’s gar nicht so einfach, sich in konservativen Kreisen im Allgäu über den Landesvater lustig zu machen. Das musste man mit Hirn machen, nur „Ähs“ haben da nicht gereicht.

Politiker zeigen sich gerne mit ihren Parodisten, schmücken sich regelrecht mit ihnen. Ist so viel Nähe nicht gefährlich?

Dieser Meinung sind sicher viele meiner Kollegen. Ich glaube, dass man Politikern nicht notwendigerweise die Wahrheit wie mit einem nassen Lappen um die Ohren schlagen muss. Man kann sie ihnen auch anziehen wie einen warmen Mantel. Genau das mache ich, aber nicht aus Angst, sondern weil ich Politiker als Menschen sehe, die einen harten Job haben. Man kann jemanden auch kritisieren, ohne ihn persönlich zu verletzen. Wenn du immer nur draufhaust, wirst du nicht für voll genommen.

Beim aktuellen Landesvater hat man den Eindruck, er ändere oft über Nacht seine Meinung. Inwieweit beeinflusst das Ihren Blick auf ihn?

Ich habe oft am eigenen Leib erfahren, wie schwierig es ist, die richtige Entscheidung zu treffen. Manchmal kann man nicht einfach Ja oder Nein sagen. Was aber nicht heißt, dass ich Verständnis für jeden Meinungsumschwung hätte. Was – ganz aktuell – die Diskussion um den Konzertsaal betrifft, so bin ich entsetzt, dass die Herren Seehofer und Reiter (Münchens OB, Red.) es fertigbringen, die Musikfreunde im Glauben zu lassen, es könnte einen neuen Saal geben – und dann soll plötzlich alles ganz anders sein. Bleibt es bei den Umbauplänen, dann ist das für mich eine der falschesten Entscheidungen, die in und für München jemals getroffen wurden.

Unterscheidet sich Seehofer aus Ihrer Sicht von seinen beiden Vorgängern vor allem dadurch, dass er so unberechenbar ist?

Den Eindruck kann man bekommen. Ich halte das für ein Machtinstrument. Ich stelle mir den Mann vor, wie er schon als Bub auf dem Schulhof seine Mitschüler geärgert hat. Ich glaube, dieser Lausbub steckt immer noch in ihm, die kindliche Freude daran, nicht nur Feind, sondern auch Freund zu ärgern. Aber das hat der Strauß mit dem Stoiber auch schon gemacht. Seehofer spricht ja so ähnlich wie FJS. Dieses (spricht wie Strauß) rrrollende R. (Lacht.)

Was sind hinter den Parodien Ihre Themen?

Mich bewegt das Problem der Landflucht sehr. Ich komme ja viel in Bayern herum. Da gibt es Dörfer, in denen schon bald jedes dritte Haus leersteht. Alles zieht in die Städte, was zur Folge hat, dass die Mieten immer mehr steigen. Man kann sich ja als Normalverdiener gar keine Wohnung in München mehr leisten. Und auf dem Land wird die Infrastruktur immer schlechter.

Immerhin werden überall neue Autobahnen und Schnellstraßen geplant und gebaut...

Ja, dann hast du dein Niedrigenergiehaus auf dem Dorf, aber einen Geländewagen vor der Tür, mit dem du im Jahr 60 000 Kilometer zur Arbeit in die Stadt fährst. Das ist mal eine Ökobilanz! (Lacht.)

Im Jahr 2018 wird es ja voraussichtlich einen neuen Ministerpräsidenten geben. Wer wäre Ihnen lieber, Ilse Aigner oder Markus Söder?

Wer weiß, vielleicht wird’s ja auch jemand ganz anderer? Ich halte es durchaus für möglich, dass auch noch weitere CSU-Politiker ihren Hut in den Ring werfen, wenn es so weit ist. Marcel Huber (Staatskanzleichef, Red.) beispielsweise oder Alexander Dobrindt (Bundesverkehrsminister, Red.).

Und die könnten Sie sich auch parodistisch erarbeiten?

Selbstverständlich – das ist jede Anstrengung wert. Obwohl man mir schon bei Horst Seehofer prophezeit hat, der gebe zu wenig her. So ein Schmarrn!

Alles Männer, bis auf llse Aigner.

Da will ich gar nicht so viel machen. (Spricht wie Aigner.) I hob vor, des auf diese Ort und Weise zu versuchen, olles a bisserl tiefer und einfach mol schaun, wie des Gonze donn wird.

Um das auch äußerlich authentisch rüberzubringen, müssten Sie ja eigentlich ein Dirndl anziehen.

Das wird gerade für mich angefertigt, eines, das man ganz schnell ausziehen kann. Weil ich ja drunter den Anzug trage für die Männerrollen.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

Tipp

Wolfgang Krebs: „Nur Bayern im Kopf!“. Rosenheimer Verlagshaus, 272 Seiten; 16,95 Euro.

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