Wolfgang Wagner tritt zurück

Bayreuth - Nach jahrelangem Tauziehen macht der Chef der Bayreuther Festspiele den Weg für eine Nachfolgelösung frei: Wolfgang Wagner tritt spätestens zum 31. August von seinem Posten zurück.

Dies teilte der 88 Jahre alte Enkel des Festspielgründers Richard Wagner in einem Schreiben an den Stiftungsrat der Festspiele mit. "Mit dem Eingang des Briefes ist der Nachfolgefall eingetreten", sagte der Geschäftsführer der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl (CSU), am Dienstag nach einer Sitzung des Stiftungsrats. "Der Weg ist offen für eine Neuregelung der Festspielleitung."

Wagners Rücktritt ist nach Hohls Worten nicht an Bedingungen für die künftige Festspielleitung geknüpft. Die Mitglieder der Familie Wagner seien nun aufgefordert, binnen einer Frist von vier Monaten Bewerbungen beim Stiftungsrat einzureichen. Als Favoritinnen gelten die beiden Töchter von Wolfgang Wagner, Eva Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (29). Wagner hatte die Tandemlösung selbst in einem Brief am 8. April vorgeschlagen. Die beiden Halbschwestern haben bereits ein Konzept erarbeitet. Wagners Anwalt Stefan Müller sagte, Wagner sei der Ansicht, dass dies die beste und tragfähigste Lösung sei. Deshalb habe er sich zum Rücktritt entschlossen, der ihm nicht leicht gefallen sei. Wagner selbst nahm nicht an der Sitzung teil.

Der bayerische Kunstminister Thomas Goppel (CSU) sagte, es stehe noch nicht fest, dass auch künftig Mitglieder der Familie Wagner die Festspiele leiten würden. Andererseits werde sich der Stiftungsrat schwertun, Konzepte aus dem Kreis der Familie abzulehnen, wenn solche vorlägen. Man sei Wagner dankbar für seinen Schritt "nach einer langen Zeit des Wartens" und hoffe, bis zum Herbst zu einer Lösung zu kommen. Am 1. September wolle der Stiftungsrat über die bis dahin vorliegenden Konzepte beraten. Eine Entscheidung sei dabei nicht zu erwarten, da erst die Konzepte bewertet werden müssten. Goppel, der Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und auch die Mäzene der "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" haben im Vorfeld bereits deutlich gemacht, dass sie die Tandemlösung der beiden Halbschwestern unterstützen wollen.

Hohl sagte, Wagners Rücktritt sei der Endpunkt vieler Gespräche gewesen. Nach einem letzten Treffen am Montag im Festspielhaus habe Wagner seine Zustimmung zur Einleitung des Nachfolgeverfahrens signalisiert. "Hiermit erkläre ich, dass ich die Leitung der Festspiele bis spätestens zum 31. August 2008 niederlegen werde", heißt es in dem Brief vom 28. April, der der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt. Wagner schreibt darin, er halte es "für an der Zeit", die Verantwortung für die Festspiele abzugeben. Er werde in seinem Beschluss bestärkt durch den Umstand, "dass sich für die Gestaltung der Zukunft der Bayreuther Festspiele eine einvernehmliche, von breitem Konsens getragene Lösung abzeichnet".

Der angekündigte Rücktritt von Wagner eröffnet nach den Worten von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) "neue Perspektiven für Bayreuth". Es sei nun möglich, ein ordentliches Nachfolgeverfahren einzuleiten. "Ich gehe davon aus, dass der Stiftungsrat nach der vorgesehenen Bewerbungsfrist eine tragfähige und zukunftsträchtige Entscheidung treffen wird", sagte Neumann am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Mit dem Rücktritt soll auch finanziell ein Neuanfang gemacht werden. Die Mäzene sind nach den Worten ihres Vorsitzenden Karl Gerhard Schmidt bereit, in diesem Jahr letztmals das wachsende Defizit allein auszugleichen. Von 2009 an sollten die Festspiele gemeinsam mit den öffentlichen Zuschussgebern auf eine gesunde finanzielle Basis gestellt werden.

Wolfgang Wagner, der Enkel des Komponisten und Festspielgründers Richard Wagner (1813-1883), steht seit 1951 an der Spitze der Bayreuther Festspiele. Über seine Nachfolge hatte es jahrelang Streit gegeben. Im Jahr 2001 hatte das Gremium bereits Eva Wagner-Pasquier zur neuen Festspielchefin gekürt. Wagner weigerte sich damals jedoch, seinen Posten zu räumen. Sein eigener Plan, seine zweite Ehefrau Gudrun als Nachfolgerin durchzusetzen, scheiterte am Widerstand des Stiftungsrats. Auch der Versuch, die Tochter aus zweiter Ehe, Katharina, als alleinige Nachfolgerin aufzubauen, fand keine Zustimmung. Erst nach Gudrun Wagners plötzlichem Tod am 28. November 2007 kam Bewegung in die festgefahrene Nachfolgediskussion. 

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