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Schon über drei Millionen Kinobesucher sahen allein in Deutschland „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ nach Joanne K. Rowling mit Wolf Roth (re.).

Schauspieler Wolf Roth: Von „Derrick“ zu „Phantastische Tierwesen“

Wolfs neues Revier

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Wolf Roth hat die goldenen Fernsehzeiten erlebt. Er war „Peter Voss, der Millionendieb“ und lieh sein markantes Gesicht Krimis wie „Derrick“ und Serien wie „Das Erbe der Guldenburgs“. Er schaffte in den Siebzigern und Achtzigern den Spagat zwischen leichter Unterhaltung und Theaterkunst. Den größten Coup aber landete Roth im fortgeschrittenen Alter...

Derzeit ist der 74-Jährige im Blockbuster „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ nach Joanne K. Rowling im Kino zu sehen. Als deutscher Gesandter Rudolph Spielman liefert er sich dort ein packendes Duell mit Hauptdarsteller Johnny Depp. Eine zauberhafte Arbeit, wie er in unserem Gespräch erzählt.

Was ist das für ein Gefühl, Teil des Harry-Potter-Universums zu sein?

Wolf Roth: Ein wahnsinnig aufregendes. Ich glaube ich bin der erste deutsche Schauspieler, der für einen dieser großartigen Filme engagiert wurde. Das war schon eine ganz besondere Erfahrung, denn wann arbeitet man schon mal bei einem der teuersten englischen Filme mit? (knapp 200 Millionen Euro; Anm. d. Red.)

Wie kamen Sie dazu?

Roth: Ich hatte in der amerikanischen Kinokomödie „Holmes & Watson“ eine kleine Rolle als Sigmund Freud. Und da wollte mich die Casterin für ein Geheimprojekt treffen. Ich hatte keine Ahnung, worum es geht. Nach sechs Wochen rief mich dann Regisseur David Yates an und sagte mir, dass ich die Rolle des Rudolph Spielman im neuen Rowling-Abenteuer übernehmen soll. „Welcome in our family“ (Willkommen in unserer Familie) waren seine Worte.

Haben da die Korken geknallt?

Roth: Oh ja. Es ist ja in meinem Alter keine Selbstverständlichkeit, so ein Angebot zu bekommen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Johnny Depp?

Roth: Ich erinnere mich an unsere erste Probe, da machte Johnny so komische Kopfbewegungen und zappelte hin und her.  (Lacht.) Und ich fragte ihn: Was ist los? Ist was nicht in Ordnung? Er sagte nur: „Ich stehe dir im Licht.“ Worauf ich erwiderte: Kein Problem, wir probieren doch nur. Aber er bestand darauf, dass man einem Kollegen nicht das Licht nehmen darf. Um es kurz zu sagen: Er ist zauberhaft, überaus humorvoll und ein sehr sensibler Mensch.

Als böser Magier Grindelwald scheut er im Film kein Verbrechen – mit viel Glück überleben Sie die Begegnung mit ihm. Sehen wir Sie im dritten Teil wieder?

Roth:  Ich habe keine Ahnung. Und ich habe Joanne K. Rowling, die ich bei der Premiere kennenlernen durfte, bewusst nicht darauf angesprochen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Figur, die ja in gewisser Weise auch ein Gegenspieler ist, bei einer Fortsetzung wegfällt. David Yates jedenfalls hat mich mit den Worten verabschiedet: „Wir sehen uns im nächsten Teil.“ Warten wir’s ab.

Viele Zuschauer kennen Sie aus Klassikern wie „Derrick“, „Siska“ oder dem „Polizeiruf“. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Roth: Das war schon eine tolle Zeit, die mit dem heutigen Drehen nicht zu vergleichen ist. Besonders gern denke ich an die „Tatorte“ zurück, die ich mit Regisseur Wolfgang Petersen und meinem Kollegen Klaus Schwarzkopf gemacht habe. Damals hatten wir 30 Drehtage pro Krimi. Das würde heute gar nicht mehr gehen. Dafür sind Licht und Kameratechnik wesentlich besser geworden.

Mit Ihrer Frau betreiben Sie eine bilinguale Schauspielschule in Wien – hat es der Nachwuchs heute schwerer?

Roth: Oh ja, weil man sich auch international aufstellen muss. Da haben das Internet und die Globalisierung ihren Teil dazu beigetragen. Du brauchst als deutscher Schauspieler, der langfristig Erfolg haben will, auch Verbindungen ins Ausland. Es ist ein wirklich hartes Brot.

Was versuchen Sie Ihren Schülern zu vermitteln?

Roth: Authentizität. Das ist vermutlich das Schwierigste in der Schauspielerei. Man muss ehrlich zu sich selber sein und darf nicht versuchen, etwas herzustellen. Die Theaterlegende Fritz Kortner hat mal zu einem Schauspieler gesagt: „Treten Sie nicht auf, kommen Sie rein!“  (Lacht.)  Besser kann man es nicht umschreiben.

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