Wir wollen Hoffnung verbreiten

- In der Vorweihnachtszeit hat landauf und landab eine Oper Hochkonjunktur: "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck. Heuer mischen sogar die Münchner Symphoniker mit. Sie laden für heute, 19 Uhr, in den Herkulessaal und für morgen, 19 Uhr, ins Prinzregententheater ein: zu konzertanten Aufführungen. Heiko Mathias Förster dirigiert.

<P class=MsoNormal>Warum treten Sie als Symphonieorchester mit einer konzertanten Produktion in Konkurrenz zur Staatsoper und zum Gärtnerplatztheater?<BR>Förster: Das Orchester spielt dieses Stück gut, und im Dezember kann man es durchaus öfter anbieten. Da unsere beiden Vorstellungen binnen drei Wochen restlos ausverkauft waren, planen wir für nächstes Jahr vier Aufführungen. Übrigens halb szenisch: Die Sänger tragen Kostüm und Maske, haben Requisiten und agieren auf einer kleinen Spielfläche vor dem Orchester.</P><P class=MsoNormal>Wie fügt sich eine solche Opernaufführung ins Symphonische Gesamt-Programm?<BR>Förster: Unser Jahres-Motto lautet diesmal "Alles Theater", und da passt Humperdincks Märchenoper perfekt ins Konzept. Wir setzen einen Schwerpunkt mit theatralischer Musik, mit Pantomimen, Schauspielmusiken und der "Rosenkavalier"-Suite zum Saisonabschluss. "Alles Theater" erinnert aber auch an das "Theater", das ums Orchester tobte.</P><P class=MsoNormal>Wie sieht die Situation momentan aus? <BR>Förster: Nachdem die Stadt München ihren Zuschuss von 1,4 Millionen Euro gestrichen hat, fängt uns die Stadtsparkasse mit 500 000 Euro auf. Durch diese Zusage sind wir nicht mehr akut bedroht. Das Jahr 2005 ist gesichert, und wir können sagen, es geht weiter. Das ist wichtig für andere Sponsoren. Wir bieten eine Perspektive.</P><P class=MsoNormal>Mit dem Zuschuss der Stadtsparkasse und womit noch?<BR>Förster: Mit dem was wir erwirtschaften, nämlich 30 Prozent unseres Gesamtetats (der noch 1,7 Millionen Euro vom Freistaat einschließt). So eine positive Bilanz findet man nicht bei vielen Orchestern. Außerdem versuchen wir über Strukturveränderungen noch mehr zu sparen.</P><P class=MsoNormal>Wie sollen die konkret aussehen? <BR>Förster: Wir entwickeln eine andere Verkaufsstrategie, werden versuchen, die einmal einstudierten Werke achtmal zu verkaufen. Bei personellen Einschränkungen müssen wir das Repertoire anpassen, nicht mehr über Brahms hinausgehen.</P><P class=MsoNormal>Sie sind gerade von einer Japan-Korea-Tournee zurückgekommen.<BR>Förster: Es war ein großer Erfolg, und wir sind für 2006 wieder eingeladen. </P><P class=MsoNormal>War es auch ein finanzieller Erfolg? <BR>Förster: Ja. Wir müssen immer darauf schauen, dass unterm Strich was herauskommt. </P><P class=MsoNormal>Wirkt sich das aufs Programm aus? <BR>Förster: Sicher. Modernes dürfen wir nur punktuell wagen. So ist der Markt, wir leben damit, das ist okay so. </P><P class=MsoNormal>Wie lange läuft Ihr Vertrag noch?<BR>Förster: Wir führen gerade Gespräche. Ich habe eine Verlängerung um zwei Jahre angeboten.</P><P class=MsoNormal>Ein gutes Omen.<BR>Förster: Wir wollen Hoffnung verbreiten, auch wenn die Nachricht von der Auflösung des Rundfunkorchesters das schwer macht. </P><P class=MsoNormal>Das Gespräch führte Gabriele Luster</P>

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