Wir wollen die Mischung

- Die wichtigste Nachricht betrifft nicht die Premieren der nächsten Spielzeit, sondern den Streik: Er ist vorbei. Vor allem das Münchner Gärtnerplatztheater wurde durch den Arbeitskampf arg gebeutelt. Eine Auslastung von nur 40 bis 44 Prozent hatte man in den elf Streikwochen hinzunehmen. Und das, nachdem die Besucherquote zuvor auf 77 Prozent geklettert war.

Nach Angaben von Intendant Klaus Schultz muss sein Theater Mindereinnahmen von 500 000 Euro verkraften. Durch Aushilfen und Fremdvergaben fallen zusätzliche 200 000 Euro an.

Für ihn ist die Saison 2006/07 zugleich seine letzte. Bekanntlich wurde sein Vertrag nicht verlängert, da man im Kunstministerium fand, der Augsburger Intendant Ulrich Peters solle nach München wechseln. Schultz, seit der Saison 1996/97 am Gärtnerplatz, verteidigte sich gegen den Vorwurf des "Gemischtwarenladens". Er habe etwas gegen eine solche verächtliche Wortwahl, Vielfalt empfinde er als Stärke: "Wir wollen die Mischung. Nur wer das Nicht-Identische erträgt, ist wirklich glücklich."

Im Zeichen dieser Vorsätze steht auch die kommende Saison (siehe unten). Die Komponisten Otto Nicolai, Albert Lortzing und Walter Braunfels werden ergänzt durch eine Münchner Erstaufführung: Luigi Nonos "Intolleranza 1960", ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts und laut Intendant das "zentrale Unternehmen" der Saison.

Zudem wagt Schultz eine Art zweite Ausgabe seines Pasticcios "Ein Theater nach der Mode". Damals nahmen sich Peer Boysen und Kobie van Rensburg barocke Werke vor und schufen einen kultigen Abend. Nun wird sich Regisseur Claus Guth der Operette zuwenden und das Projekt "Die ganze Welt ist himmelblau" basteln. Ein Titel, so Schultz ironisch, der "bezeichnend für unsere Stimmung ist".

Open-Air-Konzert vor dem Theater

Der Intendant wollte sich nicht entlocken lassen, was er nach seiner Gärtnerplatz-Ära vorhat. Ebenso verhalten gab sich Ballettchef Philip Taylor, der in der kommenden Spielzeit mit immerhin vier neuen Abenden aufwartet. Taylor ließ offen, ob er sein Balletttheater München als selbstständiges Ensemble weiterführt oder ob er sich nach neuen Betätigungsfeldern umsieht. Als großen Erfolg wertete er den Workshop seiner Ensemblemitglieder bei den Bayerischen Theatertagen in Memmingen sowie das Projekt "Tanz macht Schule". Er sei dort sogar gefragt worden, ob seine Truppe nicht als "Ensemble in residence" gastieren wolle.

Das Gärtnerplatztheater startet in die neue Spielzeit mit einem "Bang", wie es der amerikanische Chefdirigent David Stahl ausdrückte. Am 17. September gibt es ein großes Open-Air-Konzert auf dem dann umgestalteten Gärtnerplatz, auf einer Fläche also, die derzeit noch "wie der zentrale Platz von Bad Neuenahr" aussieht (Schultz). Dass er gerne noch am Haus geblieben wäre, ließ der Intendant durchblicken. Mit seinem Fazit scheint er sich zu trösten: "Im Abbruch wird die Kenntlichkeit des Gelungenen noch deutlicher."

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