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Der US-Regisseur Woody Allen spielte am Dienstag in der Münchner Philharmonie mit seiner New Orleans Jazz Band.

Woody Allen: Fröhliche Rumpelmusik vom Weltstar

München - Klarinette statt Kamera: Erfolgsregisseur Woody Allen hat sich wieder einmal in seinem Nebenjob als Musiker betätigt. In München begeisterte er als Jazzer sein Publikum.

„Wir spielen ein bisschen New-Orleans-Jazz und tun unser Bestes, um sie gut zu unterhalten“, sagt der freundliche ältere Herr am Mikrofon. Danach machen er und seine sechs Kompagnons fröhliche Rumpelmusik, die durchaus einen gewissen Charme verströmt. Es ist aber dennoch weit entfernt von echten professionellen Standards. Und es ist an sich ein Kuriosum, dass bei einer Combo wie der Eddy Davis New Orleans Jazzband die Philharmonie in München restlos ausverkauft ist. Und das bei einem Programm, das man im Biergarten der Lochhamer Einkehr beim Jazz-Frühschoppen gratis und besser hören könnte, wie ein Zuhörer meinte.

Aber der Klarinettist in Lochham heißt eben nicht Woody Allen. Das nämlich ist der freundliche Herr, der die Massen anlockt. Ein berühmter Filmemacher, genialer Komiker und leidenschaftlicher Musiker. Nur überstrahlt bei der Musik eindeutig die Leidenschaft das Talent, wie Allen bei jeder Gelegenheit zugibt. Es hat ja seine Gründe, weshalb der begeisterte Jazz-Fan Allen darauf verzichtet, die Musik für seine Filme selbst einzuspielen, wie es einige seiner Kollegen tun. Allen ist auch nach sechs Jahrzehnten musizieren ein Amateur im Wortsinn, also ein Liebhaber.

Die Mitglieder der Band sind versierter, und es ist hörenswert, was sie so von sich geben. Aber sie sind eben – und das ist keineswegs beleidigend gemeint – eine Kneipenband: Jeden Montag traf man sich im New Yorker Club Alexander’s und spielte zum eigenen Gaudium. Woody Allen machte es so viel Spaß, dass er dafür sogar die Oscar-Verleihungen schwänzte, die ebenfalls an Montagen stattfinden.

Das alles ist liebenswert und sympathisch. Ob man fast 100 Euro dafür ausgeben muss, ist hingegen sehr die Frage. Vielleicht macht es Allen auch nur, um das Auskommen seiner langjährigen Mitstreiter ein bisschen aufzubessern. Oder aber der 75-Jährige hat beschlossen, einfach nur noch das zu tun, was ihm Freude macht, also Klarinette zu spielen. Und weil jeder Künstler Publikum braucht, macht er es eben in Konzertsälen, weil der Aufwand für eine Club-Tour viel zu groß wäre.

Also bläst Allen leidlich gut, aber mit erkennbarem Spaß in seine Klarinette und freut sich vielleicht insgeheim darüber, in einem Saal auftreten zu können, in dem er als Musiker im Grunde nichts verloren hat. Man muss unwillkürlich an seinen Witz über das Sterben denken: „Ich habe nichts gegen den Tod, ich will nur nicht dabei sein, wenn er kommt.“ Über den Jazzer Allen könnte man dasselbe sagen.

Zoran Gojic

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