"Wozu Zensur ?"

- Das Staatsschauspiel Dresden kann im juristischen Streit um seine Inszenierung von Gerhart Hauptmanns "Weber" auf Unterstützung von Kollegen bauen. Heute entscheidet das Landgericht Berlin, ob das vom Verlag Felix Bloch Erben erwirkte Verbot weiter gültig ist. Nach Ansicht des Verlags wurden Hinzufügungen zum Originaltext nicht vertragsgemäß genehmigt. Die Inszenierung ist seit ihrer Premiere Ende Oktober 2004 umstritten. Es wurden Politiker und auch die TV-Moderatorin Sabine Christiansen beschimpft.

<P>Christoph Schlingensief hält das gerichtliche Vorgehen für "völligen Unfug". "Stillstand und Versteinerung auf der Bühne geht nicht. Schiller, Brecht und Hauptmann können dazu nichts mehr sagen, weil sie nicht mehr leben. Man muss sie immer wieder von ihrem Marmorsockel holen." Nach Ansicht des Generalintendanten des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Stephan Märki, entmündigen Verbote die Zuschauer. "Ich glaube an die Mündigkeit des Theaterpublikums, die keines Gerichts bedarf." Märki verteidigte die "Narrenkappe der Kunst", allerdings hält er die Beschimpfungen in den vom Gericht untersagten Chorszenen für geschmacklos und populistisch.</P><P>Der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Steffen Piontek, verwies auf die vom Grundgesetz geschützte Kunstfreiheit. "Ein Regisseur hat das Recht, ein Stück so zu interpretieren, dass es für seine Zeitgenossen aktuell und interessant ist." Auch nach Ansicht des Intendanten des Potsdamer Hans Otto Theaters, Uwe Eric Laufenberg, muss es gestattet sein, "dass Bühnenfiguren auf einer Bühne Texte sprechen, die realiter nicht die Meinung der Theatermacher darstellen". </P><P>Auch die Chemnitzer Schauspieldirektorin Katja Paryla meinte, im Theater würden Konflikte dargestellt - "Figuren geben nicht die Meinung der Theatermacher wieder, sondern die ihrer Rollen". Im Fall der Dresdner "Weber"-Inszenierung, kämen Arbeitslose zu Wort, die sonst kein Gehör fänden. "Nichts anderes hat Hauptmann gemacht. Wozu Zensur? Das hatten wir schon." </P>

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