Lebt zu sehr von seiner Vergangenheit: der Wu-Tang Clan. fkn

Das neue Album des Wu-Tang Clans

Ein Flickenteppich

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München - Dem neuen Album des Wu-Tang Clans hört man seine schwierige Entstehungsgeschichte an.

Am Anfang spricht ein Toter: Ol’ Dirty Bastard, 2004 im Drogenrausch verstorbenes Gründungsmitglied des Wu-Tang Clans, verspricht den Hörern etwas Großes. Ein neues Album jenes wilden Haufens, der vor 21 Jahren den Hip-Hop revolutionierte. Und ja, nach all den Streitigkeiten, Skandalen, großen und kleinen Tragödien mutet es in der Tat wie eine große Sache an: „A Better Tomorrow“ ist tatsächlich erschienen. Mit nur einem schlappen Jahr Verspätung.

Zu Verdanken ist das in erster Linie dem Produzenten RZA. Er selbst behauptete unlängst, eine halbe Million Dollar in die Produktion investiert zu haben, ohne eine entsprechende Rendite zu erwarten. Bei ihm liefen die Fäden zusammen, was ihn aber nicht daran hinderte, genauso wie die anderen acht Mitglieder das ganze Projekt mit persönlichen Animositäten zu gefährden. Man stritt ums Geld und bezichtigte sich gegenseitig der Lüge.

Der Clan war ja schon immer ein Haufen von Ich-AGs. Mehr als 50 Soloalben sind seit dem spektakulären Debüt „Enter The Wu-Tang (36 Chambers)“ entstanden. Einige scheffelten Millionen, andere, wie Cappadonna, mussten zwischenzeitlich Taxi fahren, um ihre Rechnungen zu bezahlen.

Jetzt sind sie alle wieder vereint. Zumindest auf diesem Album, das man sicher nicht als Gemeinschaftswerk bezeichnen sollte. Die 15 Stücke wurden über einen Zeitraum von mehreren Jahren produziert. Die Herren Rapper, einst Aushängeschild von Staten Island, leben inzwischen mit ihren Familien (der erste ist schon Opa) quer über die Vereinigten Staaten verstreut. Man traf sich lieber nicht allzu oft bei RZA im Studio, heutzutage schickt man sich den Rap-Part im E-Mail-Anhang. Und genau so klingt das Ergebnis auch: Ein bunter Flickenteppich aus Genres wird da gemischt.

„A Better Tomorrow“ hätte eigentlich zum 20. Geburtstag von „Enter the Wu-Tang“ herauskommen sollen. Ein mutiges Unterfangen. Und ein aussichtsloser Kampf. RZA, der 1993 mit seinem düsteren, auf Sampeln basierten Sound minimalistische Klassiker schuf („Can it Be All so Simple“, „C.R.E.A.M.“), wirkt im Jahre 2014 wie ein Suchender. Nur ganz selten noch schimmert die Energie alter Tage durch, etwa beim ersten Track „Ruckus in B Minor“ oder bei „Necklace“.

Ansonsten irrlichtert die Produktion zwischen Synthieklang und nicht immer passenden Gesangseinlagen. Die bemüht wirkenden Soul-Anspielungen verfehlen ihre Wirkung, wenn einem Projekt die Seele fehlt. Der Clan lebt weniger für morgen – sondern eher von der eigenen Vergangenheit.

mik

Wu-Tang Clan:

„A Better Tomorrow“

(Warner).

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