Nach Messer-Mord in Neuhausen: Polizei sucht diese zwei Männer

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Ein Wunder an Musikalität

- Auch Giganten geraten in Vergessenheit. Jetzt, zu seinem 100. Geburtstag, erinnert man sich an ihn: Serge Lifar (2.4.1905 - 15.12.1986), charismatischer Tänzer, Choreograph, neoklassischer Erneuerer - zu seiner Zeit Fixstern der modernen französischen Ballettszene wie nach ihm nur Rudolf Nurejew. Von Kiew, wo er bei Bronislawa Nijinska studierte, kam Lifar zu Diaghilews Ballets Russes, deren letzter Star er wurde, und stieg 1929 auf zum Premier danseur étoile und Ballett-Direktor der Pariser Oper, eine Position, die er 25 Jahre innehatte. An diesem Sonntag lässt Konstanze Vernon in ihrer "Bosl"-Ballettmatinée im Münchner Nationaltheater seine "Suite en blanc" (1943) wieder aufleben.

<P>",Suite en blanc ist das, was man als Apotheose, als schönsten Ausdruck des neoklassischen Lifar-Stils bezeichnet. Glücklicherweise ist es erhalten geblieben. Sehr viele seiner Ballette sind verschwunden, weil er sie nicht filmen lassen wollte", erzählt Gilbert Mayer, der gemeinsam mit Christiane Vlassi das Stück mit den "Bosl"-Studenten einstudiert. Wie sie in der Probe die Schritte vormachen, hier Kopfhaltung korrigieren, da mehr Fußpräzision fordern, ist klar: Lifar weiterzugeben, ist für sie Herzenssache. Beide, langjährige Pädagogen der Ballettschule der Pariser Oper, haben als profilierte Solisten noch in Lifars Nachkriegs-Amtszeit von 1947-58 getanzt. Zwei Besessene, im Kanon und synchron überschäumend vor Begeisterung und Kenntnissen.<BR><BR>Vlassi: "Die Pariser Oper verdankt Lifar sehr viel. Das Ballett in den 20er-Jahren war ja noch sehr ,Rokoko". Und Mayer: "Er hatte ein so außergewöhnliches Charisma. Wenn ,Suite einstudiert wurde, vermittelte er in zwei Tagen den Stil, das Gefühl für dieses Stück, durch seine Persönlichkeit, durch seinen Sinn für die ästhetische Form. ,Suite ist ein Wunder an Musikalität, an so vielen kleinen Nuancen, die aber große Kunst ausmachen."<BR><BR>Und wo ist der Unterschied zum Neoklassiker George Balanchine, der 1924 zu Diaghilews Ballets Russes gestoßen war? Vlassi: "Balanchine, das ist Schnelligkeit. Lifar, das ist mehr Lyrik. Balanchines Ballette haben fast nie eine Geschichte. Bei Lifar gab es immer eine Handlung, zumindest ein Thema, in der man einen Charakter darstellte."<BR><BR>Mayer: "Lifar war mehr theatral. Jedes seiner Ballette war geprägt durch seine Persönlichkeit als Tänzer. Das ist in der Ballettgeschichte schon außergewöhnlich, diese doppelte Begabung: Danseur Etoile und Direktor-Choreograph. Und nicht zu vergessen, Lifar hat ja durch Diaghilew eine große künstlerische Kultur bekommen und dann auch versucht, an der Pariser Oper im Geist der Ballets Russes weiter zu arbeiten, alle Künste im Tanz zu vereinen. Dali, Picasso, Bernard Buffet, er kannte alle, war mit ihnen befreundet, war Teil dieser Kunstwelt, umworben wie ein Filmstar."<BR><BR>Lifar - ein Götterkörper, ein faszinierendes Gesicht, der leicht asiatische Zug noch modelliert durch die von Diaghilew angeratene Nasenoperation. Lifar, ein Leben wie ein Roman zwischen Ballett-Leidenschaft, härtester Arbeit und glücklichem Zufall: Balanchine sollte für die Pariser Oper "Die Geschöpfe des Prometheus" choreographieren, wird krank. Lifar, vorgesehener Protagonist, springt als Choreograph ein. Ist erfolgreich und reorganisiert als neuer Leiter das heruntergekommene Opernballett.<BR><BR>Auch in der schwierigen Zeit der deutschen Okkupation kann er die Arbeit fortsetzen, rettet Ensemble, Kostüme und Archiv vor dem Zugriff Görings, der offenbar das ganze Pariser Ballett nach Berlin bringen wollte. Wegen angeblicher Kollaboration wird Lifar 1944 von der Oper verbannt, arbeitet in Monte Carlo für das Ballett des Marquis de Quevas, kehrt rehabilitiert auf Einladung des Direktors George Hirsch 1947 an die Oper zurück, wo man ihm einen begeisterten Empfang bereitet.</P><P>Mehr über Lifar in Mayers Dia-Vortrag, 8. 4., 20 Uhr, im Münchner Institut Français, Tel. 089/ 28 66 280.</P>

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