Störung am Bahnübergang: S1 verspätet

Störung am Bahnübergang: S1 verspätet

Wunderbare Balance, drängender Impuls

- Sawallisch was here. Und Münchens Musikfreunde waren glücklich. "Willkommen zu Hause" schallte es dem langjährigen Münchner Opernchef vom Rang aus entgegen, als er am Montagabend die Bühne des Nationaltheaters betrat, wo das hoch gestimmte Staatsorchester ihn erwartete. Wolfgang Sawallischs seltene Auftritte - er leitete zuletzt, zehn Jahre, das Philadelphia Orchestra - sind etwas Besonderes für seine alten Bewunderer und für viele jüngere, deren Leben mit oder gar in der Musik er an der Münchner Staatsoper entscheidend geprägt hat. Sie alle waren da und feierten den Verehrten - ein wenig auch schon vorab zu seinem 80. Geburtstag, der am 26. August ansteht.

<P>Aus der Neuen Welt schlug er den Bogen in die alte Heimat mit einer liebenswürdigen Geste: Er eröffnete sein Festspielkonzert mit Samuel Barbers 1936 komponierter, einsätziger Symphonie Nr. 1. Schon hier, im dicht gefügten Satz mit deutlich charakterisierten Abschnitten beeindruckte Sawallisch durch eine wunderbare Balance der gleichermaßen geforderten Orchestergruppen und stellte die aparte Mischung der Bläser heraus. In Philadelphia mag dabei mehr Brillanz im Spiel sein; in München schwang eher deutsch-romantische Tradition mit. Auf sie besann sich Sawallisch in Schumanns Vierter, doch schaltete er stilsicher - und wohl nicht ohne Verbeugung vor der gemeinsamen Vaterstadt München - ein Bindeglied davor: Richard Strauss' "Vier letzte Lieder" - mit der hier geliebten Solistin aus Übersee, René´e Fleming.</P><P>Sawallisch und "sein" Strauss-erprobtes Orchester begleiteten und trugen die Sopranistin, deren Edelsopran sich über der fein changierenden Klangmixtur weich und weit strömend entfaltete und in leuchtende Höhen aufschwingen konnte. In Eichendorffs "Abendrot" mit seiner tröstlichen Todessanftheit trillerten die flötenden Lerchen ihre Hoffnungsschimmer - danach herrschte sekundenlang Stille, ehe der Jubel sich löste. Nach Schumanns d-moll-Sinfonie mit dem effektvollen Schluss brach er spontan los. Ausgelöst von einer in ihren Proportionen, in Spannung und Dynamik absolut stimmigen Interpretation. </P><P>Auffallend war, wie viel Struktur Sawallisch freilegte, ohne dabei Kantabilität und Sinnlichkeit zu opfern. Die Satzübergänge ließ er spannungsvoll ausmusizieren und unterstützte Schumanns vorwärts drängenden Impuls mit frischer, nicht nachlassender Energie.<BR>Danach gab's Standing Ovations für Sawallisch, der die warmherzige Aufnahme von Publikum und Orchester, frei von jeglicher Larmoyanz, genoss und sich einfach freute.</P>

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