Wunderbare Sinnestäuschung

- Die Kunst ist keine Rechenmaschine. Und doch kommt sie manchmal so daher - als geschickte Addition, als originelle Gleichung. In der Galerie der Künstler sind derzeit die Werke dreier ausgewählter "Debütanten" zu besichtigen, die zu solchen Rechenspielchen anregen.

Zum Beispiel Monika Kapfers Weniger-ist-mehr-Arbeiten aus neu ver- und bewertetem Alltag: Auf dem Weg zu ihrem "Berg", einem großen, gleichschenkligen, grauen Dreieck, das von Weitem tatsächlich sehr kompakt anmutet, muss man feststellen, dass es sich lediglich um provisorisch betuschte, aneinander gefügte Zeitungsseiten handelt. In ihren filigranen Buntstift-Miniaturen dagegen stehen alltägliche Dinge vereinzelt, außerhalb ihres jeweiligen Kontextes und wirken so nur mehr als vage Embleme ihrer selbst.

Im Nachbarraum addiert Frank Maier in seinen Skulpturen verschiedene Materialien zur großen künstlich geologischen Präsentation: Er drapiert gipserne Pilze auf hölzernen Sockeln, gepolstert durch grünliche Teppich-Rasenbetten; er spannt in seinen Bildern weiße Fäden wie Spinnweben und klebt vulkanisch glänzende Papiermaché´geschwülste wie versteinerte Muscheln an vertikale Holzlatten. Es ergibt sich kurios eine geschlossene Welt, die vorgibt, ein Museum der Natur zu sein.

Hierin liegt der einzige Berührungspunkt mit Martina Salzbergers Hand-Arbeiten: Auch sie spielen Natürliches vor. Doch in den zahlreichen bunten Gummihandschuhen, die in Installation und Foto Zeige- und Mittelfinger strecken, stecken gar keine richtigen Hände, nur Luft. Ja, sie sind auch keine Handschuhe mehr, sondern fungieren als kämpfende und sich vermehrende "Häschen".

Der falsche Handkuss

Desgleichen täuschen Salzbergers Fotografien in freier Natur: Liebespaare in Umarmung, beim Handkuss, bei einer zarten Berührung. Doch stets ist nur ein Partner zu sehen, und bei näherem Betrachten ist es gar seine eigene Hand, die ihn liebkost. Beinahe unsichtbar steckt sie im falschen, fantasievoll geschneiderten Ärmel - im Ärmel für zwei Hände, von denen die richtige nicht existiert. Eine wunderbare Sinnestäuschung, eine Subtraktion als Basis für eine Vielzahl von Geschichten.

Bis 7. Oktober, Di.-So. 11-18 Uhr, Maximilianstr. 42. Info: 089/ 22 04 63.

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