Wunder-Irrlicht aus dem Jenseits

- Fürstlicher Glanz - hélas, hierorts beim Tanz sonst absent - bei der Ballettwochen-"Cinderella" von Jean-Christophe Maillots Ballets de Monte Carlo. Schirmherrin Prinzessin Caroline von Hannover, Gatte Prinz Ernst August und Bruder Prinz Albert von Monaco in der Königsloge des Münchner Nationaltheaters - dafür lohnte schon mal ein bisschen Halsverrenken.

<P> Nicht wegen dem "von", sondern weil der monegassische Adel Maillot den Aufbau einer Truppe u n d ungestresste Entwicklung als Choreograph ermöglicht. Man erinnert noch gut das München-Gastspiel von Neumeiers "Kameliendame" mit Maillot als Armand. </P><P>Jetzt entdeckt man einen Ballettchef, der mit, wie die Franzosen sagen, "spectacle" zu unterhalten versteht, und zugleich den Choreographen einer sehr ehrlichen, ganz aus dem Herzen kommenden Sprache. "Aschenputtel" geht er mit jugendlichem Skateboard-Schnellgang an. Stiefmutter und -schwestern, Spaßvogel-Angestellte, Beauty-Experten, Prinz, Freunde, Ballnacht-Freaks fegen durch diese (praktikable) Szenerie aus hingewehten, riesigen weißen Buchseiten: in einem Bewegungsmix aus sportlich hingeschlenkerter Neoklassik und Rase-Gestik - so ungefähr Pina Bauschs Hand- und Fingertänze auf 180 hochgejagt. </P><P>Das alles fast durchgehend auf höchstem Energie-Level. Zum beförderlichen Zweck schnallt Nicolas Brochot dem Staatsorchester Rollerblades an, bis dieser Prokofjew auch an den Rand von Musical und Pop schlittert. Was Jé´rô^me Kaplans poppig-schräges Frisur- und Kostümdesign ja geradezu herausfordert. </P><P>Nun wäre man demgegenüber vielleicht nicht so freundlich, gäbe es nicht dieses schlank-biegsame Gewächs Bernice Coppieters (Mutter, Fee): ein flirrender Puck, ein Wunder-Irrlicht aus einem überhaupt nicht tristen Jenseits, verführt sie noch einmal ihren Mann (Chris Roelandt) und bringt ihr Aschenputtel (Aurélia Schaefer) mit dem Prinzen (Asier Uriagereka) zusammen. </P><P>Und jetzt sehen wir den wahren, den besten aller Maillots: Es begegnen sich hier (junge) Menschen, völlig unverstellt in ihrer Zuneigung, für die Bewegung i n der Musik (!) das natürlichste Element der Mitteilung ist. So echt, so total unsentimental, so berührend hat man letzthin keine Liebes-Pas-de-deux gesehen. </P>

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