Wunder-Marionette

- Sie denkt sich immer etwas, bevor sie choreographiert. Und das nimmt schon positiv für Katja Wachter ein - auch wenn diese Gedanken meist verdammt schwer, und folglich nicht immer erfolgreich umzusetzen sind. "Ersatzhaut" heißt ihr dreiteiliger Abend über die verschiedenen Hüllen für Körper und Seele. Das Münchner Akademietheater leider nicht ausverkauft.

<P>Die Selfish Shellfish Compagnie ist zur Zeit mit fünf eigenwilligen Tänzern besetzt: Katrin Schafitel, Christiane Schauer, Andrea Sonnberger, Christopher Morgan mit schlanker Gestik und Radiostimme, der Koreaner Keun Tae Park mit theatralem Geballt-Engagement. In "Favourite" sind sie verteilt auf der Tanzfläche aufgestellt. Kennzeichnen sich, jeder mit seinem eigenem, anders dudelndem Kofferradio zu Füßen, als Individuen/Identitäten. Gegenseitig befragen sie sich dann, über Mikrofone, die an langen Kabeln von der Decke hängen, zu ihren "favourites", zu Lieblingsfarbe, -form, -raum, zu Lieblingslaut, -schimpfwort etc.</P><P>Wachter will damit das "Fabrizieren und Zerschlagen von Identitäten" aufzeigen - was solche Spielchen jedoch kaum leisten können. Aber wie die fünf doch den hintergründigen Witz ihrer Chefin erfassen, wie sie Wachters blitzschnell wendige Motorik in den Körper gekriegt haben und sich zu zweit oder zu dritt in komplizierten Kontakt-Figuren ineinander verheddern und verklammern, da schaut/hört man einfach mit Lust zu.</P><P>Die beste Interpretin von Wachter-Choreographie ist immer noch Wachter selbst. In ihrem "Anti-nackt"-Solo "Dressed Dance" beweist sie in Dessous, Rock und Rapper-Klamotten, dass ihr Körper zigmal mehr Gelenke und Dehn-Möglichkeiten hat als eine normale Anatomie. Zu einem trocken-hart pulsierenden Rhythmus ist Wachter eine Wunder-Marionette intelligent fließender Bewegungsfantasie. Die Überlautstärke bei dem Duo "Noch zu früh - schon zu spät" verursachte einen Absturz unserer Konzentration - konnte nicht abgespeichert werden . . . </P><P>Noch heute und morgen. Karten: 089/ 54 81 81 81. <BR></P>

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