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Erst Konkurrenten, dann Freunde: Stjepan Hauser (l.) und Luka Sulic.

Youtube-Cellisten mit Elton John auf Tour

Eines muss man Elton John zugestehen: Er hatte schon immer einen guten Riecher für das, was bei den Leuten ankommt. Zum Konzert Anfang der Woche hat er zwei junge Kroaten auf die Bühne geholt, die als „2Cellos“ im Internet für Furore gesorgt haben

Im ersten Moment haben es Luka Sulic und Stjepan Hauser ja selbst nicht glauben wollen. Aber der Mann am anderen Ende der Leitung war tatsächlich niemand geringeres als Sir Elton John höchstpersönlich. Wie rund fünf Millionen andere Youtube-Nutzer hatte er sich auch das Cover von Michael Jacksons „Smooth Criminal“ angeschaut, das die beiden Kroaten ins Netz gestellt hatten. Und nun lud er die beiden Cellisten spontan ein, ihn auf seiner aktuellen Europatour zu begleiten. Sulic und Hauser sagten zu – und treten seitdem in rot-gelben Ringelpullis an der Seite des Pop-Paradiesvogels auf.

Spätestens seit dem schicksalhaften Telefonat geht es für die „2Cellos“ steil bergauf. Interviews, Fernsehberichte, Fotosessions und – ab heute auf dem Markt – die erste gemeinsame CD. „Wir hatten schon gehofft, dass wir mit diesem Video etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen würden, als zuvor mit unseren klassischen Stücken“, gesteht Stjepan Hauser am Morgen nach dem erfolgreichen Tourauftakt. „Aber dass daraus etwas so Großes wird, hat uns ehrlich gesagt selbst überrascht. Es ist fast wie im Traum.“

Hauser sagt das, obwohl er und Sulic im klassischen Sektor international auch vorher gut im Geschäft waren und Auftritte in prestigeträchtigen Sälen wie dem Concertgebouw in Amsterdam oder dem Wiener Musikverein vorzuweisen haben. Das jedoch bislang vor allem als Solo-Künstler. „Zuhause in Kroatien waren wir früher die schärfsten Konkurrenten. Wir sind bei Wettbewerben gegeneinander angetreten, waren bei den gleichen Meisterkursen und so weiter.“

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Trotzdem wurde schon damals der Grundstein einer bis heute andauernden Freundschaft gelegt. „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Nur hatten wir leider nie die Chance etwas gemeinsam zu machen. Das hat sich erst geändert, als Luka, genau wie ich, zum Studium nach London kam. Ab da hingen wir praktisch dauernd zusammen rum.“ Und weil es im klassischen Repertoire mit Stücken für zwei Cellisten eher mager aussieht, halfen sie sich eben selbst. „Wir wollten einfach mal was ganz anderes machen. Etwas, das auch jüngeren Menschen zeigt, was für ein aufregendes Instrument das Cello sein kann.“

Die Suche nach dem passenden Beweisstück war für den ehemaligen Rostropowitsch-Schüler Stjepan Hauser dabei schnell erledigt. „Michael Jackson war von klein auf einer meiner absoluten Helden und eine große Inspiration. Als er starb wollten auch wir ihm unsere Ehre erweisen. Und ,Smooth Criminal‘ war dafür einfach der Song, der auf dem Cello am Besten rockt.“ Für die CD sind 11 Nummern dazugekommen, die dank ihrer teils spektakulären Arrangements kaum weniger mitreißen als die jeweiligen Originale von Nirvana, U2 oder den Kings of Leon.

Angst, durch den Ausflug in Pop-Gefilde künstlerisch an Glaubwürdigkeit zu verlieren scheinen die beiden bislang nicht zu haben. Sie werden im Laufe des Jahres auch noch mit Lang Lang auftreten. „Außerdem sind unsere Arrangements technisch mindestens so schwer zu spielen wie jedes klassische Stück. Wenn nicht oft sogar noch schwerer, weil wir ganz allein die Spannung halten müssen. Da muss man gut dreimal soviel Energie investieren wie bei Dvoraks Cellokonzert, wo einen die Musik fast von allein trägt.“ Und wer das nicht glaubt, soll es ihnen erstmal nachmachen.

Infos zur CD: Luka Sulic & Stjepan Hauser: „2Cellos“ (Sony Classical).

Tobias Hell

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