Zaghafter Start

- Stadelheim an der Börse? Investieren hinter Gittern? Privatisieren von Gefängnissen? Die beiden österreichischen Künstler Martin Krenn und Oliver Ressler nehmen diese US-amerikanische Geld-mach-Idee auf und schlagen sie uns vor: Der Info-Container, nüchtern wie auf einer Baustelle, steht bis 2. Mai am Sendlinger-Tor-Platz und will mit seinem kapitalistischen Appell irritieren. Endlich hat sich etwas getan in Sachen Kunst im öffentlichen Raum, nachdem wir nach heftigen Fehlplanungen und Querelen jegliche Hoffnung haben fahren lassen.

<P>Nun hat Münchens Kulturreferentin Lydia Hartl, die durch unklare Zielsetzung und massive Verzögerungstaktik einen großen Teil des Projekt-Kuddelmuddels verursacht hatte, die ersten Konzepte unter dem Motto "ortstermine 2004" vorgestellt. Obwohl Gelder schon seit dem Weggang ihres Vorgängers Julian Nida-Rümelin für Kunst im Außenraum bereitgestellt wurden (2001), werden jetzt erst in einer "Pilot-Phase" (!) Arbeiten verwirklicht. Zur Entschuldigung betont Hartl, dass "mir persönlich das Ganze besonders am Herzen liegt".</P><P> Im Hinblick auf einige Stadträte und den Oberbürgermeister Christian Ude, die sich trotz Kunst-Inkompetenz als Experten aufmandelten und die Entscheidungen der Fachjury zum Teil torpedierten, unterstrich die Referentin die kulturpolitische Unverzichtbarkeit gerade dieser Art von Kunst: die nicht ziert oder repräsentiert. Man wolle ein "Experimentierfeld" und keine Aktivitäten wie "Unser Dorf soll schöner werden". <BR><BR>Experimentierfeld</P><P>Das zweite Konzept wird zunächst gar nicht unter freiem Himmel zu sehen sein, sondern im "kunstraum muenchen" (Zieblandstraße 8, 30.4.-30.5.). Fotos dokumentieren Mischa Kuballs Aktion in Sã~o Paulo, die er im November dann für München adaptiert: Anwohner von Schraudolph-/ Zieblandstraße sollen ihre Lampen zu Straßenbeleuchtung umfunktionieren. Auch Silke Wagners "Locals only?" bleibt im "kunstraum", obwohl sie sich mit Streetskatern und ihren Strategien, sich urbane Örtlichkeiten "anzueignen", beschäftigt (17.6.-25.7.).<BR><BR>Kletterspaß verspricht Joep van Lieshouts "Teutopia" am Olympiaberg (3.5.-31.10.). Er lässt einen Alltags-Turm bauen mit Wohn-, Sport- und anderen Bereichen. Die "Bairishe Geisha", bestehend aus Judith Huber und Marianne Kirch, allhier eher theatralisch bekannt, erweist sich naturgemäß als elegisch-zartfühlend. Deswegen deponiert sie in den Imbiss-Automaten des Hauptbahnhofs Abschiedsbriefe - Antworten erwünscht (16.6.-21.7.). <BR><BR>Star unter diesen Künstlern im öffentlichen Raum ist Isa Genzken, Kunstpreisträgerin der Kulturstiftung der Stadtsparkasse München. Ihre verspielte "empire vampire"-Installation zwischen Blumenzier und Schrott am Museumsplatz ist der Höhepunkt (7.5.-Oktober). Einerseits ist es gut, wenn internationale Top-Werke aus dem Etat der Kunst im öffentlichen Raum für München verwirklicht werden, das ist die richtige Signalwirkung. Andererseits müsste das Lenbachhaus von der Stadt in die Lage versetzt werden, die Ausstellung für den Kunstpreisträger ohne fremde Etatmittel zu gestalten. </P><P>Gewiss, die Verlockung ist groß: Der Stadtrat weiß, was vom Lenbachhaus entwickelt wird, hat nicht zu bezweifelnde Qualität. Man befindet sich damit auf der sicheren Seite. Aber wenn man der Kompetenz des Kulturreferats misstraut, dann sollte man konsequent sein und die Betreuung der Kunst im öffentlichen Raum ganz in die Verantwortung der städtischen Kunstmuseen geben.<BR><BR>Immerhin laufen schon die Planungen für die zweite Jahreshälfte, und man kann nur hoffen, dass auch einmal zwar freche, aber ansprechende, "barocke" Werke zum Zug kommen. </P>

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