Zagreber Philharmonie in München

- Vor dem Konzert und in der Pause hallten die Räume des Prinzregententheaters vom Singsang sanft verschliffener Konsonantenketten wider: Viele in München lebende Kroaten waren gekommen, um im Rahmen der Kroatischen Kulturtage die Zagreber Philharmonie zu hören. Klänge der Heimat? Erst spät, Mitte des 19. Jahrhunderts, hat sich in Kroatien, damals Teil des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn, ein eigenständiges bürgerliches Musikleben entwickelt, dessen Traditionen dafür bis heute umso stolzer gepflegt werden.

Immerhin am Anfang des rein slawischen Programms genuin Kroatisches, die "Hommage à` Bach" von Boris Papandopulo (1906-1991) für sehr großes Orchester: kein Stück, das durch übergroße Diskretion auffiele. Potpourri-artig hat der Komponist thematisches Material aus zwei Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier zusammengemixt, dazu immer wieder, und fett instrumentiert, das B A C H-Motiv. Zu Peter Tschaikowskys Violinkonzert gesellte sich dem Orchester ein echtes Münchner Gewächs hinzu: der 25-jährige Nicolas Koeckert, aus alter Musiker-Dynastie. Kein Geiger der lässig-leicht verströmten Töne, eher mühsam, aber mit beharrlicher Kraft schienen sich die Zweige dem Licht zuzuwinden; aber gerade dieser Hauch Schwere verlieh dem Spiel eine beeindruckende unsentimentale Dinglichkeit.<BR><BR>Vjekoslav Utej am Pult hielt seine Musiker zu opulenter, wogender Klangentfaltung an, letzte Feinheiten des Zusammenspiels zwischen Solist und Orchester blieben temperamentvoll auf der Strecke. Auch nach der Pause gab es in zwei Suiten aus dem Ballett "Romeo und Julia" von Sergej Prokofjeff Gelegenheit, orchestral aufzutrumpfen, manchmal bis an die Schmerzgrenze. Dennoch wurde auch viel von den zarten Prokofjeff'schen Gespinsten farbenreich Wirklichkeit.<BR>

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