Der Zauber von Arkadien

"Max Peiffer Watenphul - Zeichnungen": - Die Bilder sehen, sich ins Auto schmeißen und nach Italien fahren: Diese Gefahr ist bei Max Peiffer Watenphuls Werken akut. Farbe, Stimmung, Licht, Landschaft haben einfach diesen Arkadien-Zauber, der den Teutonen Richtung Süden treibt. Die Staatliche Graphische Sammlung lockt nun mit dieser Gefahr, will sie zugleich aber bannen.

Die Ausstellung "Max Peiffer Watenphul - Zeichnungen" in der Münchner Pinakothek der Moderne geleitet den Besucher mit weich-farbigen Aquarellen aus den eigenen Beständen hin zum Eigentlichen der Schau. Aus dem Nachlass des Künstlers, der in Italien lebte und 1976 in Rom starb, ist nun eine eindrucksvolle Anzahl von rein zeichnerischen Blättern zu entdecken. Sie wurden noch nie gezeigt und stammen aus dem Besitz von Peiffer Watenphuls Nichte Alessandra Pasqualucci, die sich für die künstlerische Hinterlassenschaft engagiert. Aus ihren "Schätzen" sind auch drei Ölgemälde entnommen.

1896 wurde Max in Weferlingen (Sachsen-Anhalt) als kleiner Peiffer geboren; nach dem Tod des Vaters heiratete die Mutter wieder. So kam Watenphul zum Namen Peiffer hinzu. Die Juristen-Karriere brach der junge Mann 1919 ab und ging als Schüler ans Bauhaus Weimar. Ende 1921 reiste er das erste Mal in "sein" Land, Italien. Dorthin wird er auch 1937 ausweichen, als die Nazis ihn und seine Arbeit als "entartet" brandmarken. Ab 1941 konnte er in Deutschland jedoch an der Textil-Kunstgewerbeschule in Krefeld unterrichten. Nach dem Krieg wird sein Lebensmittelpunkt endgültig Italien. Am bekanntesten sind wohl seine Venedig-Bilder. Was er in den Gemälden anstrebte, ist das Idealbild eines mediterranen Landes - wunderschön, bescheiden in sich ruhend und ohne das Imponiergehabe der Klassizität.

Die Zeichnungen allerdings erzählen von der herben, hand-werklichen, arbeitswütigen Seite des Künstlers. Er näherte sich dem Land der Sehnsucht vielleicht schwärmerisch, aber zugleich nüchtern und enorm fleißig. Schon im Gebirge, das er gar nicht mochte, "erkämpfte" sich Peiffer Watenphul mit Bleistift und Tuschfeder die Natur-Formationen so lange, bis er "frecher" mit ihnen umgehen konnte. Wie brave Kinderzeichnungen zeigen sich die Häuser von Gossensaß oder Cortina d‘Ampezzo; wild hingegen saust der Strich über die Felswände; und eine Fichte schaut schon mal aus wie ein Rohrputzer.

Genauso konsequent eignete sich der Künstler Ischia oder Cefalù auf Sizilien an. Der Strich der Zeichnung sucht unermüdlich nach dem inneren Bauplan des Landes; das Gemälde oder Aquarell bejubelt den fertigen Bau.

Bis 3.6., Tel. 089/ 23 80 53 60, Katalog: 23 Euro, weiterführende Informationen

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