Um den finalen Kampf gegen das Böse zu bestehen, müssen Harry Potter (Daniel Radcliffe) und seine beiden Freunde Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) ihre Angst besiegen. Foto: Verleih

Aus der Zauber: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 2“

München - Die ganz große Aufregung unter den Harry-Potter-Fans der Welt hatte sich bereits im Jahr 2007 wieder etwas gelegt. Damals erschien der letzte Roman mit dem Zauberlehrling und beruhigte alle aufgebrachten Gemüter: Harry blieb am Leben, und der finstere Lord Voldemort wurde vernichtet.

Fortsetzung ausgeschlossen, erklärte Autorin Joanne K. Rowling. Zumindest bis zum Augenblick.

Jetzt kommt der zweite Teil des letzten Buchs „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ in die Kinos. Zum letzten Mal rüsten sich Millionen Fans auf der ganzen Welt, um „dem Einen“ die nun wirklich letzte Ehre zu erweisen. Der Eine, von dem es bereits im ersten Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ hieß: „Wohin man auch kommt in unserer Welt, jedes Kind wird seinen Namen kennen.“

Diesem und seinen Freunden Ron und Hermine sah man über die Jahre hinweg auf der Kinoleinwand beim Erwachsenwerden zu. Und wenn die zu begehrten Jungschauspielern gereiften Ex-Kinderstars Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint bekennen, sie wären auf dem Filmset von Hogwarts groß geworden, ist das keine Übertreibung, sondern schlicht Realität.

Als im Jahr 2001 die erste, von Chris Columbus inszenierte „Harry Potter“-Adaption in die Kinos kam, hatte Rowling ihre Geschichte vom magischen Waisenjungen noch längst nicht zu Ende erzählt. Der Hype um Harry war allerdings schon da, und die Filmproduzenten wollten schnell davon profitieren - ohne abzuwarten, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde. Eben diese Unkenntnis merkt man in der Rückschau: Ohne einen Hauch von Eigenständigkeit hangeln sich die ersten beiden Filme an den Roman-Vorlagen entlang. Die Charaktere bleiben flach, und die Trickeffekte sind reiner Selbstzweck. Ohne seinen Rhythmus zu finden, inszenierte Columbus jede Nebenfigur und jeden noch so unbedeutenden Zaubertrick des Romans nach. Dass die Filme bis heute trotzdem hübsch ansehnliche Fantasy-Abenteuer für Kinder sind, liegt an der kinotauglichen Sprache Rowlings.

Erst der dritte Film, „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, emanzipiert sich von seiner Vorlage. Von nun an ging es in den Inszenierungen von Alfonso Cuarón und seinen Nachfolgern Mike Newell und David Yates nicht mehr nur um Schülerstreiche, Quidditch-Turniere und die Eulenpost. Die Filme wandelten sich von launigen Internatsgeschichten zur ernst gemeinten Fantasy. Für die Titelfigur ging es nicht mehr nur um den Verlust des Elternhauses, sondern um den Kampf gegen das Böse und die Rettung der Welt. Die Regisseure Cuarón, Newell und Yates fanden dafür die angemessen opulent-düsteren Bilder, konsequent orientiert an ähnlichen Erweckungsfilmen wie „Star Wars“ oder „Herr der Ringe“.

Die letzte „Harry Potter“-Adaption bietet von heute an erwartungsgemäß Bewährtes: David Yates arrangiert die Massen sehr ansehnlich zum actionreichen Showdown, auch wenn das muntere Schlachtengewimmel oft an „Herr der Ringe“ erinnert. Überraschungen gibt’s keine, denn die Geschichte hat man ja bereits gelesen. Doch dank der spektakulären Trickeffekte bietet dieser Film einiges an großartigen Schauwerten. Auch erlebt man Jungstars wie auch verdiente britische Schauspielgrößen wie Ralph Fiennes, Helena Bonham Carter, Maggie Smith und Alan Rickman in Höchstform: Einen derart würdigen Abschluss hat dieses Kapitel Filmgeschichte absolut verdient.

Ulrike Frick

(In München: Mathäser, Cinemaxx, Royal, Münchner Freiheit, Leopold, Cadillac, Neues Rex, Autokino, Universum, Cincinnati, Kino Solln, Neues Gabriel, Museum-Lichtspiele OV, Cinema OV.)

„Harry Potter und die

Heiligtümer des Todes 2“

mit Daniel Radcliffe

Regie: David Yates

Sehenswert ((((;

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie alle anderen „Harry Potter“-Verfilmungen auch mochten.

Harry Potter geht doch noch einmal weiter: Wie gut ist "Harry Potter und das verwunschene Kind"?

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