Zauber der Vergänglichkeit

- In Tunesien erging es ihm einst wie Paul Klee im Frühjahr 1914: "Die Farbe hat mich, ich bin Maler." Klees Tagebuch und August Mackes Fotoalbum jener berühmt gewordenen Reise diente ihm als Reiseführer. Plötzlich, so erinnert sich Joachim Jung, sei er von erdigen Tönen "zu richtigen Farben" gelangt - wie im Rausch. Unter den "Bildern aus 25 Jahren", die der in München lebende Joachim Jung (54) im Ismaninger Kallmann-Museum zeigt, dominieren die großformatigen Zeugnisse einer immer wieder neu ansetzenden Imagination.

Auf der Suche nach scheinbar verlorenen Zeiten und Orten, die er zu Zyklen und Einzelbildern verarbeitet, begegnete er Vincent van Gogh auf dem Weg nach Tarascon sowie Paul Klee: vor der Silhouette Münchens und in den Spuren auf einer Brandmauer im Hinterhof des Hauses Ainmillerstraße 32. Gemeinsam mit dem Sohn Felix klärte Jung in Bern das Einstige: das Musikzimmer, in dem die Mutter ihren Klavierunterricht gab, die Zimmer für die Gäste . . . Die Zeit wiederzufinden im Sinne eines Marcel Proust, sie aus eigener Anschauung heraus, auf den Wegen von Literatur in gemalten Bildern gegenwärtig werden zu lassen, gelingt immer dort am besten, wo Jung den Orten und Personen des Geschehens ganz nahe kommt.

Die Dachstube des Schriftstellers Hermann Lenz dehnt sich im Weitwinkelblick des Malers. Schwieriger wurde das Terrain für Jung, wo er dem "Leben in den Wäldern" nahe zu kommen versuchte, das der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau (1817-62) als zweijährigen Selbstversuch schilderte. In seinen großen Formaten - auf Büttenpapier von der Rolle - verbindet Jung wasserlösliche, kreidige und ölhaltige Farben mit zeichnerischen Mitteln, zuweilen mit Wachs, Lack und Sand, auf sinnfällige Weise. Der Zauber der Vergänglichkeit ist durchdrungen von Melancholie.

Bis 8.1., Di.-So. 14.30-17 Uhr; Katalog: 15 Euro.

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