Zauber, Zwang und Zärtlichkeit

- Hände, die Kinder halten. Hände, die Reis zum Mund führen. Hände, die Tücher weben. Hände, die Verlegenheitsgesten ausführen. Hände, die ruhen, die bemalt werden und die bemalen, die tanzen und beten, die schmücken und säubern. Hände, die das Gesicht verhüllen oder es kokett akzentuieren. Kurzum: Hände, jene menschlichen Gliedmaßen, die so unendlich Vielfältiges leisten und so unendlich vielfältig aussehen, sind ein unerschöpfliches Thema.

<P></P><P>Seit Jahrtausenden haben sie Bildhauer und Maler beschäftigt. In ihnen ruhen Zwang und Zauber, Zärtlichkeit und Segensspende, Arbeitskraft und Gewalttat. Sie geben und nehmen Leben. Michelangelos Gott in der Vatikanischen Sixtina haucht Adam das Leben eben nicht ein: Er berührt dessen Finger mit dem eigenen.</P><P>Dass Hände auch Fotografen faszinieren, liegt auf der . . . Tiziana und Gianni Baldizzone schildern dieses zehngliedrige Menschsein in prachtvollen Farbbildern. Mal intim, mal großartig. Mal komisch, mal besinnlich. Manchmal dokumentarisch ruhig, dann wieder optisch raffiniert aufgemacht. Und vor allem exotisch. Hände auf Computertasten, auf Autolenkrädern, am Einkaufskorb oder an der Sortiermaschine kommen nicht vor. Unser westliches Leben ist wohl zu blass. Nur die von harter Arbeit schrundig gewordene Hand eines Bauern aus dem Piemont findet fotografische Gnade. In all den Jahrzehnten ist sie geworden wie die Erde, die sie gepflegt hat. Rau und schön zugleich.</P><P>So fremd uns Hände, bizarr geschmückt, anmuten, so sehr pochen sie auf universelle Verwandtschaft, wenn sie arbeiten, schützen, säubern, mahnen und abwehren. Deswegen werden all diese Fotografien zu einem echten Menschheitsbuch. </P><P>Tiziana und Gianni Baldizzone: "Hände. Die Welt begreifen". Knesebeck Verlag, München. 159 Seiten, 39,90 Euro.</P>

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