Der Zauberer von Öd

- Wer kennt ihn nicht, den Typen, der jeden seiner unkomischen Sätze mit schallendem Gelächter abschließt? Oder den Gschaftlhuber, dessen einzige Lebensperspektive der Ausbau des häuslichen Speichers ist (" . . . und dann kennt's mi alle am Oasch lecka!")? Den latent arroganten Cineasten oder den "Schauknutscher", der jeden zum Voyeur seiner ach so glücklichen Beziehung macht?

<P>Strunzenöd ist überall, und Michael Altinger ist der fleißige Sammler dieser universellen Figuren, auf jeden Fall das Medium, durch das sie seinem Publikum erscheinen. "Ich kann's mit alle . . ." ist, in Kurzform, das neueste Programm des Kabarettisten überschrieben, das jetzt in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft zu sehen ist. Ein Titel, der Souveränität nur behauptet. Denn Altingers Alter Ego - das wird bald klar - ist nicht nur der Therapeut, sondern irgendwie auch das Opfer seiner Spezln, einer, der ihnen am liebsten aus dem Weg ginge und der doch dazugehören möchte.<BR><BR>Ein rasantes Spiel mit der liebevollen Distanzierung vom Vertrauten, die der 34-Jährige noch einmal "mächtig" perfektioniert hat. Denn der Abend ist alles andere als eine humorfreie Analyse. Das liegt an Altingers unberechenbarer Komik, seinen parodistischen Qualitäten, seinem unglaublichen Talent, die Dinge jäh ins Absurde zu wenden. Den Dialogen, Szenen (besonders bizarr: der Diavortrag mit Reinhold Messner) oder Sätzen durch schiere Wiederholung, bisweilen durch geniale Kalauer alles unangemessen (Bedeutungs-)Schwere zu nehmen.<BR><BR>Der Zauberer von Öd wäre nichts ohne seine Dörfler, der Künstler auf der Bühne wenig(-er) ohne den Mann im Hintergrund. Martin Julius Faber ist wie immer die "Band", und er sorgt wie immer selbstlos für den Sound und die Arrangements, die "Ich kann's mit alle . . ." einen besonderen Akzent geben. Denn Altinger singt bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Erdiger (Deutsch-) Rock, der oft verklungen ist, bevor man die Melodie wirklich im Ohr hat. "Live is live"-Musik, die eine komplex-abstruse Geschichte, in der auch noch ein verlorenes Handy und ein geheimnisvoller Brief vorkommen, endgültig zur echten Rarität macht.</P><P>Bis 19. Februar, dienstags bis samstags, um 20 Uhr. Tel.: 089/ 39 19 97.<BR></P>

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