Zauberer in der Oper

- Als Nachwuchshoffnung wird der amerikanische Countertenor Lawrence Zazzo weltweit gehandelt. Sein Münchner Debüt ist also fällig. In der Wiederaufnahme der bereits 1997 bejubelten Inszenierung von Claudio Monteverdis "L'incoronazione di Poppea" der Bayerischen Staatsoper - unter der Regie von David Alden und der musikalischen Leitung von Harry Bicket - ist er nun als Ottone zu sehen.

<P>Sie haben Ihre ersten Auftritte als Junge auf Kindergeburtstagen gehabt, als "Großer Zauberer Zazzini". Was war denn Ihr Lieblingstrick?<BR><BR>Zazzo: Ich hatte einen lebendigen Hasen und tat so, als würde ich in meinem Zauberzylinder Hasengulasch kochen, mit viel Rauch und Funken, dann rettete ich ihn natürlich. Als Opernsänger werde ich leider viel zu selten gefragt, ob ich nicht ein paar Zaubertricks auf der Bühne vorführen möchte.<BR><BR>Und wie wurden Sie vom Zauberer zum Opernsänger, hatten Ihre Eltern Einfluss auf Ihre musikalische Entwicklung?<BR><BR>Zazzo: Meine Mutter war sehr an Musik und Theater interessiert und förderte mich auf diesen Gebieten. Ich sang im Knabenchor und spielte Kindertheater. Aber ich hasste die Oper. Alles war so künstlich, und man konnte nicht verstehen, was die sangen. Später am King's College in Cambridge widmete ich mich der Kammermusik, sang aber auch Jazz und a cappella im Stil der Comedian Harmonists.<BR><BR>Und der erste Auftritt als Opernsänger? <BR><BR>Zazzo: Ich wurde gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei einer Produktion des Royal College of Music in London mitzuwirken. Dafür musste ich mich dort einschreiben und gab mein Debüt als Oberon in Benjamin Brittens "Mittsommernachtstraum". Da hat mich die Bühnenwanze schließlich vollends gebissen. Es fühlte sich so natürlich an, in dieser Oper zu singen, ich war darin völlig zu Hause. Überraschenderweise, denn ich hatte nie eine Karriere als Opernsänger geplant.<BR><BR>Wieso wählten Sie das Fach des Countertenors?<BR><BR>Zazzo: Nach dem Stimmbruch hatte ich eine Baritonstimme, eignete mich eher zum Buffo-Tenor. Ich sang im renommierten Madrigalchor des King's College und dachte zuerst, da seien noch Reste meiner Jungenstimme übrig. Bis ich entdeckte, dass das mein Falsett ist. Ich beobachtete andere Countertenöre und fand ihre Arbeit ungemein interessant. In diesem Fach fühle ich mich am wohlsten. Trotz der komplexen Technik fällt mir das Singen so am leichtesten, macht am meisten Spaß.<BR><BR>Mit dem gesellschaftlichen Stigma, dass dieser hohen Männerstimme anhaftet, hatten Sie keine Probleme?<BR><BR>Zazzo: Als ich im "Mittsommernachtstraum" debütierte, titelte eine Zeitung am nächsten Tag: "Zazzos Stimme gibt Rätsel über sein Geschlecht auf." Der Artikel endete mit den Worten: "Für alle, die sich Sorgen machen: An Herrn Zazzo ist noch alles dran." Solche Vorurteile sind doch total veraltet, ich habe darüber nur gelacht.<BR><BR>Wie gefiel Ihnen die Zusammenarbeit mit David Alden an der Bayerischen Staatsoper?<BR><BR>Zazzo: Darauf habe ich mich sehr gefreut. Alden ist großartig und weiß genau, wie er die Musik auch dramatisch auf die Bühne bringt. Und er ist so voller Energie, einhundertundfünfzig Prozent. Ich habe schon einmal mit ihm zusammengearbeitet, und er bringt mich immer dazu, Dinge zu tun, die ich sonst nicht ausprobiert hätte. Mit seiner großen Vorstellungskraft führt er mich immer wieder in neue Gefilde, eine tolle Erfahrung.</P><P>Das Gespräch führte Petra Schönhöfer</P>

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