Zauberhafte Diva

- Es ist das schönste Rokokotheater der Welt. Ein Traum in Gold und Weiß, in Rocaillen und Putten, von Franç¸ois Cuvilliés d. Ä. nach den Schrecken des Spanischen Erbfolgekriegs geschaffen als ein Symbol einer besseren Zeit. 1753 wurde das Neue Opera Hauß mit Ferrandinis Werk "Catone in Utica" unter Kurfürst Max III. Joseph eröffnet.

<P>Im vergangenen Jahr feierte das Theater seine jahrhundertelange Beliebtheit noch einmal groß (mit der gleichen Oper), bevor es geschlossen werden musste. Gerüchte tauchten auf, dass das kunsthistorische Kleinod nun gewissermaßen zu Tode restauriert würde, das heißt, zwar noch als Museum zu bestaunen wäre, aber kein lebendiges Theater mehr sein könne.<BR><BR>Der vitale Bühnenort bleibt</P><P>Jetzt steht definitiv fest: Dazu wird es nicht kommen. Das Cuvilliéstheater wird so saniert, dass es eine nutzbare Spielstätte bleibt. Nicht nur gelegentlich, sondern für einen richtigen Repertoirebetrieb. Das ist der ausdrückliche Wille Kurt Faltlhausers, als Finanzminister zuständig, da ihm auch die Schlösserverwaltung untersteht. Am Freitag erläuterte er die notwendige Renovierung und sein Finanzierungskonzept für eine "große" Lösung. Das gefährlichste Problem sind die maroden Elektroleitungen. </P><P>Deswegen hat der TÜV die Bespielung untersagt. Um wenigstens noch die Besucher des Residenzmuseums in den Theatersaal lassen zu können, mussten Extra-Kabel für die Beleuchtung gelegt werden. Erneuert werden darüber hinaus Heizung, Sanitäranlagen, Klima- und Bühnentechnik. In eine vertiefte Restaurierung der originalen Verzierung will man nicht einsteigen. Es wird eine umfassende Reinigung geben, das Rokoko wird also sehr viel mehr strahlen als bisher. Die durch Alter und Ausdünstungen stumpf gewordene Farbfassung wird allerdings nicht überarbeitet. Der brillante Porzellanschimmer der Engelein blitzt (noch) nicht auf.<BR><BR>All das kostet voraussichtlich 22 Millionen Euro, die der Freistaat nicht auf die Schnelle finanzieren kann - oder will. Jedoch: Es gibt da ein Datum, das zur Eile antreibt. 2008 feiert München seinen 850. Geburtstag. Um die Sache voranzutreiben, setzt Faltlhauser auf Bürgersinn. Der verkörpert sich nun in dem Comitée Cuvilliés, dem Dirk Ippen, Verleger unserer Zeitung, Unternehmensberater Roland Berger und Architekturprofessor Otto Meitinger vorstehen. Schatzmeister ist HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl. Die Geschäftsführung hat der Journalist Michael Dultz übernommen. Unterstützung kommt von dem in diesen Angelegenheiten unermüdlichen Herzog Franz von Bayern, von Dieter Dorn, Hubert Mennacher (Freunde des Nationaltheaters) und Heribald Närger (Siemens Stiftung). <BR><BR>Ippen - "das Cuvilliéstheater ist eines der großen Geschenke des 18. Jahrhunderts" - führt die bedeutende Tradition unserer Zeitung fort, die bereits nach dem Krieg den Wiederaufbau und insbesondere die Revitalisierung des - so der richtige Name - "Alten Residenztheaters" 1958 energisch vorangetrieben hatte. Er und Berger hätten jeweils 100 000 Euro gegeben, um, so Berger, nicht nur "Nachahmer" anzuregen, sondern auch "Maßstäbe zu setzen". "Umgekehrt ist jeder Bürger willkommen." Man möchte mit Unterstützung von Bevölkerung und Unternehmen mindestens 2,2 Millionen Euro sammeln, wolle sich nach oben jedoch keine Grenze setzen.<BR><BR>Bei so viel Engagement von Seiten der Bürger wie des Staats wird das Cuvilliéstheater mit Sicherheit als vitaler Bühnenort wiedererstehen. Es hat - die wertvollen Verzierungen waren ausgelagert - die Bomben 1944, die Verpflanzung in den Apothekenstock der Residenz überstanden, da nimmt die zauberhafte Bühnendiva die kleine Auffrischung beim "Maskenbildner" gelassen als Theateralltag hin.</P><P>Spendenkonto 52 02 80 00 bei der HypoVereinsbank München, BLZ 700 202 70.</P>

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