Im zauberhaften Garten des Malers

- Spritze eins gezückt. Vorsichtige Annäherung an die Vene - nein: an den Stuck bei Stuck. Seit Mai laufen im Münchner Museum Villa Stuck, das seit Oktober 1998 zum Teil umgebaut und komplett renoviert wurde, die Feinarbeiten der Restaurierung in den Prunkgemächern des Malerfürsten Franz von Stuck. Spritze zwei kommt gleich nach der ersten zum Einsatz an der Deckenverzierung des Alten Ateliers. Geduldige, anstrengende Werkelei vollbringen die Künstler-Handwerker, ob sie nun den Stuck sichern, ob sie die antikisierenden Ornamente nachmalen, ob sie das Mosaikparkett überholen oder die Metall-Haustüre mit ihrem Medusenhaupt auffrischen.

Bis November will das Team fertig sein, denn im März 2005 soll Stucks Refugium wieder für das Publikum zugänglich werden. Für einen Zwischenbericht wurden jetzt einige Journalisten zwischen Gerüsten, Abdeckplanen, Farbkübeln und Reinigungsschwämmen hindurchgeführt.<BR><BR>Ingrid Stümmer ist die leitende Restauratorin, die die Aufgaben von acht Kollegen koordiniert. Die Stadt hat die Bauleitung, mit von der Partie natürlich das Landesamt für Denkmalpflege. Es ist obendrein löblich, dass sich der Staat bei den Kosten für dieses Gesamtkunstwerk aus Künstler-Architektur - damals topmodern -, Repräsentations-, Arbeits-, und intimer Wohnwelt beteiligt hat. Alte, falsche Restaurierungen wurden beseitigt mit Hilfe von Originalfotos, anderes wurde in den 60ern ausgebessert oder war verschmutzt, taucht nun wieder mit lebendiger Farbfrische ans Licht.<BR><BR>Was nicht ans Licht kommen wird, aber eine Meisterleistung war, ist die Sicherung der Statik des Hauses. Das Baureferat musste Stahlträger in das Gebäude treiben, ohne dass sich die Wände auch nur einen Zentimeter bewegen durften. Das wäre verheerend gewesen zum Beispiel für Stucks Wandmalereien im Musikzimmer. Dass hinter dem Kentauren-Fries im Atelier Stahl den Bau stützt, ahnt niemand. Dieses Edel-Atelier soll möglichst so gestaltet werden wie zu des Malers Lebzeiten, wobei die extrem geschädigten Gobelins wohl nur noch in Kopie aufgehängt werden. Dafür wird man hier den Altar der Sünde aufbauen, und die Gemälde werden auf Staffeleien präsentiert. <BR><BR>Während der Arbeiten wurden allerhand Entdeckungen gemacht, etwa Stucks raffiniertes Farbkonzept oder dass er am Haus und seiner Dekoration immer wieder etwas änderte. Ganz "neu", aber stilecht nach alten Fotos und wunderschön ist der Garten: eine geometrische Jugendstil-Anlage mit Stelen und einer lauschigen Pergola.<BR><BR>

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