Zauberisches Gold der Musik

- Der muskulöse Rücken rundet sich, der Oberkörper formt den Schwung der Lyra nach, der sich der Musiker innig hingibt. Nicht bemerkend, dass sich bei ihm Löwen, Krokodil und andere Tiere bis hin zum Meerschweinchen versammeln. 1891 setzte Stuck den antiken Gesangsstar Orpheus auf noblen Goldgrund, in den zauberisch leeren Raum warmen Lichts.

<P>Für das Münchner Museum Villa Stuck ist diese Neuerwerbung zusammen mit der passenden Entwurfszeichnung ein mehrfacher Zugewinn. Mit ihm wird nicht nur die aktuelle Ausstellung "Der Künstlerfürst Franz von Stuck" bereichert, sondern auch der Sammlungsschwerpunkt frühe Arbeiten und das Ausstattungskonzept des Hauses selbst. Denn im Musiksalon, der wie das gesamte Parterre noch restauriert wird, hat der Maler dem Orpheus eine ganze Wand gewidmet.</P><P>Rätsel um Porträt<BR><BR>In Franz und Mary Stucks Schlafzimmern, dem dazwischen liegenden Bad und der Pinsel-Kammer neben dem Repräsentations-Atelier zeigt das Museum (nach 1997) wieder eine Ouvre-Übersicht. Zunächst, im Vorraum, wird die Familie Stuck vorgestellt: er selbst, Mary Lindpaintner, deren Bildnis mit dem intensiven Blick (1894) ihre Nachkommen dem Museum überließen, und ihre Tochter Olga. 1897 heiratete Stuck die verwitwete Mary.</P><P> In diesem Raum ist außerdem das kesse Profil-Porträt einer jungen Frau zu sehen - in Foto und Gemälde -, die nicht identifiziert werden kann. Das Bild (Dauerleihgabe) ersteigerte ein amerikanischer Sammler. Bei dieser Auktion zugunsten von Shoah-Opfern wurden geraubte Werke aus jüdischem Besitz aufgerufen, deren Eigentümer nicht mehr zu ermitteln waren. <BR><BR>In Marys Schlafzimmer markiert dann der großformatige "Wächter des Paradieses" (1889) Stucks ersten Erfolg. Seine erste Plastik: ein Bronze-Kentaur. Das Thema Antike wird mit aller Kraft verfolgt und symbolistisch verarbeitet. Im Herrenschlafzimmer sind die typischen Werke versammelt. "Die Sünde", die immer (die Besucher) lockt, und die lustigen Faune, die's, wie Orpheus, mit der Musik haben. Stucks fein gestaltete Bilderrahmen korrespondieren nun schön mit dem Ornament-Fries oben an den Wänden. Nach der originalgetreuen Restaurierung wird das Gesamtkunstwerk Stuck-Villa noch viel deutlicher.<BR><BR>Der "andere" Franz von Stuck kommt ebenfalls nicht zu kurz. Charmant die Reihe von Statuetten. Eindrucksvoll die späten, düsteren Gemälde, geprägt vom Ersten Weltkrieg, die das Vorurteil widerlegen sollen, Stuck habe sich nach 1910 nicht mehr weiterentwickelt.</P><P>10. Juni bis 12. September.</P>

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