Die Zaubermaschine ist gestartet

- Weiße Folienbahnen, die die 110 Meter lange Wand bedecken. 1200 Leuchtstoffröhren in den Grundfarben Gelb, Blau, Rot. Alle mit Computerchips versehen. Gesteuert wird die 20-minütige "Show" von einem Rechnerprogramm. Und doch ist das - inklusive intellektueller Brillanz - Kunst-Kulinarik im besten Sinne: Olafur Eliassons für den Kunstbau des Münchner Lenbachhauses entwickelte, also nirgendwo anders erlebbare Installation "Sonne statt Regen".

Die nüchterne Hochtechnologie-Apparatur, die ein nicht genug zu rühmender Sammler für das Museum erwarb und damit uns allen erhielt, ist eine Zaubermaschine.

Im Sommer 2003 faszinierte sie zum ersten Mal die Münchner. Längst bevor die Kunstwelt samt Publikum Eliasson in Londons Tate Modern zu Füßen lag, hatte man im Städtischen Museum die Potenz des Dänen erkannt. Hingerissen ließ man sich in Pink tauchen, das erst zu Höllenrot, dann Negligée-Lila, schließlich zu Weiß, Blau wurde. Mal brach die Nacht herein, mal stand man auf einem weiß-bläulichen Schneefeld. Mal schob mächtiges Rot das Blau dränglerisch nach hinten, mal schuf sich Swimmingpool-Blau Platz, mal spaltete Weiß die geschlossene Farbbahn. Überwältigend ist dieses Schauspiel, das in aller Stille den Menschen mit seinen Sinnen, seinem Geist und seiner Seele erfasst, noch immer. Und doch will Eliasson keinen Sonnenaufgang auf Bergeshöhen simulieren. Aber er wagt es, auf Schönheit zu vertrauen - und auf die Kunst.

Man habe sich an die Empfindungen von 2003 erinnert und wolle "sich nun als Sammlung fragen: Ist jene ,Sensation’ schon Tradition", begründet Museumschef Helmut Friedel den Neuaufbau. Und die Rundum-Wirkung funktioniert wieder. Natürlich kann man diese Arbeit auch mit Dan Flavins tollem Licht-Werk vergleichen; man kann sie auf die Farb-Gigakraft von Rupprecht Geigers Bildern beziehen, die im Lenbachhaus zu sehen sind, oder auf James Turrells Licht-Fantastereien und Lucio Fontanas Lichtstangen-Kubus. Die neuartige Natur-Sicht Eliassons schafft ebenfalls Verbindungen: zu Paolo Parisi, der aktuell im Museum den Ätna "porträtiert", und zu Benjamin Bergmann, der auf dem Museumsplatz Farbgewalt und untergründiges Grollen zum "Beben" fügt.

Bis 22. Oktober, Telefon 089/ 23 33 20 00.

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