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Finden es merkwürdig, dass die türkische Regierung die Grenzen der Satire in Deutschland auslotet: Eigentlich, sagen die Kabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner (r.), müsste sie ausgelastet sein, bewaffnete Einsätze gegen Teile der eigenen Bevölkerung zu führen.

"Das muss Kunst sein"

ZDF-„Die Anstalt"-Macher zu den Grenzen von Satire

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München - Die Böhmermann-Affäre schlägt hohe Wellen. Die ZDF-„Anstalts“-Macher Claus von Wagner, Max Uthoff und Dietrich Krauß äußern sich nun zu den Grenzen der Satire.

Zur Debatte um das Schmähgedicht Jan Böhmermanns über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan und dessen Forderung nach Bestrafung des Satirikers äußern sich im Gespräch mit unserer Zeitung auch die ZDF-„Anstalts“-Macher Claus von Wagner, Max Uthoff und Dietrich Krauß. Wir haben ihnen drei Fragen gestellt, und sie haben sie gemeinsam schriftlich beantwortet.

Ist Jan Böhmermanns „Gedicht“ Kunst?

In dem Gedicht geht es um nackte Körper, verbotene Sexualpraktiken und es reimt sich. Das MUSS Kunst sein. Wir wünschen aber an dieser Stelle zukünftigen Jurastudenten viel Glück bei der Erörterung dieser Frage in Examensprüfungen und Dissertationen.

Ist es für Sie in Ordnung, dass ein ausländisches Staatsoberhaupt wie im konkreten Fall der türkische Staatspräsident Einfluss auf die deutsche Justiz nimmt?

Erdogan nimmt nicht Einfluss auf die deutsche Justiz. Er macht nur von einem bestehenden deutschen Recht Gebrauch. Allerdings finden wir es erstaunlich, wie viel Zeit sich die türkische Regierung nimmt, hier in Deutschland die Grenzen der Satire ausloten zu lassen, wo sie doch vollends ausgelastet sein müsste, die Pressefreiheit in der Türkei unter Kontrolle zu kriegen und bewaffnete Einsätze gegen Teile der eigenen Bevölkerung zu führen. Es ist interessant, dass unser Rechtsstaat einem europäischen Machthaber den umfassenden Schutz seiner Würde garantiert, während vielen in Europa ohnmächtig Hilfe Suchenden dieser Schutz nicht gewährt werden soll.

Was bedeutet die Causa Jan Böhmermann aus Ihrer Sicht für die Satire in Deutschland?

Der Fall lehrt, dass man sehr wohl versuchen kann, die Freiheitsrechte in anderen Ländern für sich zu nutzen. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass die deutsche Regierung sich nun dafür einsetzen wird, die Pressefreiheit in der Türkei zu verteidigen. Etwa durch eine Verbalnote im Fall des Journalisten Can Dündar, der über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Islamisten im syrischen Bürgerkrieg berichtet hat und jetzt dafür vom Präsidenten mit lebenslanger Haft bedroht wird. Womit sich Erdogan – dies nur am Rande – über die Rechtsprechung des türkischen Verfassungsgerichtes hinwegsetzt. Can Dündar hat in einem Brief an die „Anstalt“ in Anspielung auf Thomas de Maizières Mahnung zur Zurückhaltung mit Kritik an der Türkei geschrieben: „Der Minister hat Recht, wenn er sagt: ‚Deutschland hat seine Interessen.‘ Ich würde ihn aber gern daran erinnern, dass eine Zeit lang höher im Kurs stand zu sagen: ‚Deutschland hat seine Prinzipien.‘ Aufgrund dieser Prinzipien waren die Verhandlungen zwischen der Türkei und der EU jahrelang ausgesetzt. Wenn Deutschland jetzt – damit ‚die Türkei die illegale Migration unterbindet‘ – mit den Worten des Ministers eine ‚Gegenleistung‘ erbringt, dann bin eine dieser Gegenleistungen wohl ich.“ Oder eben Jan Böhmermann.

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