Zeitlose Schönheit

- Fast möchte man hier von Zeitgeist sprechen, vom Purismus des 20. Jahrhunderts, von moderner Sachlichkeit und Funktionalität. Damit läge man so falsch wie nur möglich: Denn mit diesen Möbeln in der Neuen Sammlung München befindet man sich im China des 16. bis 18. Jahrhunderts. Absolute Klarheit, keinerlei Schnörkel, dafür aber ausgewogene Proportionen, edle Hölzer und die zeitlose Schönheit eines schlichten Designs kennzeichnen die historische Sammlung fernöstlicher Raritäten. "Pure Form" ist die Präsentation des Privatsammlers Ignazio Vok überschrieben, die in der Pinakothek der Moderne mit einigen europäischen Nachfolgern kombiniert wurde.

Großes Schreinerhandwerk

Schrill sind nur die gelb-blauen Podeste, die die handwerklichen Meisterstücke hervorheben. Der Rest ist absolut zurückhaltend, ohne Schnitzerei oder Lackdekor. Lange, schmale Tische, minimalistische Regale und vor allem die Stühle mit der einzigartigen runden Lehnenführung rufen dabei sofort das Bauhaus-Design Anfang des 20. Jahrhunderts ins Gedächtnis. Hier aber haben wir es mit einer Entwicklung zu tun, die ihre Wurzeln in der Blüte des chinesischen Schreinerhandwerks im 11. bis 13. Jahrhundert hatte, im wirtschaftlichen Aufschwung, in der Mobilität hin zu einer städtischen Kultur. Mit Einfuhr südasiatischer Tropenhölzer verfeinerte sich dann das Handwerk zum Statussymbol. Huanghuali, Rosenholz, ist eines der Beispiele für die kompakten Harthölzer, die sich sehr präzise, ohne Nägel, allenfalls mit ein bisschen Leim verbinden, verzapfen und verzahnen lassen.

Ein Schrank mit spartanischen Metallbeschlägen (17. Jahrhundert), Stühle, die mit einfachsten Rundlehnen den Menschen zu umarmen scheinen (17./ 18. Jahrhundert), Standardformen von Klappstühlen (18. Jahrhundert), ein Baldachinbett mit Glück verheißendem Emblemgitter (16./ 17. Jahrhundert), Pinselbecher oder geschwungene Zepter (18. und 19. Jahrhundert) scheinen einer Devise zu folgen, die erst viel später herausgegeben wurde: Form folgt der Funktion. Und weil diese Erkenntnis so verblüffend ist, stellt die Neue Sammlung mit Richard Riemerschmids Mahagonischrank (1905/ 06), Hans Wegners China-Stühlen (1940er-Jahre) oder gar mit Giorgio Armanis Stahl-Holz-Sitz (2004) China die europäischen Entwicklungslinien gegenüber.

Im Gegensatz zu den verspielten China-Souvenirs, die seit dem Rokoko eine Mode begründeten, kamen die ersten Publikationen über die fast unbekannten Hartholzmöbel erst in den 1930er-Jahren auf den europäischen Markt. Mit ihrer absoluten Reduktion wirkten und wirken Bauhaus und China dann bis heute nach.

Bis 8. Januar, Katalog 75 Euro, Tel. 089/ 23 80 53 61.

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