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Das Foto zeigt den Ölberg und die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem und wird eigentlich in Amsterdam ausgestellt.

Ausstellung

Zeitmaschine ins Märchenland

Das Jüdische Museum München zeigt „In Farbe!“ – Fotografien, die zwischen 1898 und 1931 in Palästina entstanden

Wahrlich, ich sage euch: Strömet herbei und seht diese Ausstellung an! Ein bisschen prophetisch kann’s einem schon zumute werden angesichts der alten Fotos, die dem Besucher des Jüdischen Museums München in abgedunkelten Räumen effektvoll entgegenleuchten. Wie eine Zeitmaschine katapultieren sie einen zurück in ein traumgleiches Märchenland: ein Palästina vor der Modernisierung, das den Eindruck erweckt, als sei die Zeit in biblischen Tagen stehengeblieben.

Da sieht man bärtige Orientalen mit Turban, schwarzäugige Frauen, die Krüge auf dem Kopf tragen, Beduinenkrieger, die mit Säbeln posieren, Händler mit rotem Fez in malerischen Gassen eines Basars, Kamele vor karger, aber erhaben wirkender Wüstenlandschaft, und angesichts der Fischer am Ufer des Sees Genezareth kommt einen direkt die Lust an, übers Wasser zu wandeln...

Aufgenommen wurden diese „Glasprojektionsphotos“ (eine Art Dia) zwischen 1898 und 1931 zunächst in Schwarzweiß von Fotografen der „American Colony“, einer christlichen Gemeinschaft in Jerusalem. In deren Laden erwarb sie der niederländische Kaufmann Arie Speelman, der 1926 und 1931 mit seiner Frau als einer der ersten „Touristen“ das Heilige Land besuchte. Für viel Geld ließ Speelman die gekauften Fotos sorgfältig kolorieren, und tatsächlich tragen ihre leicht unwirklichen, manchmal verschossen-grellen Pastelltöne viel zur magischen Wirkung bei.

Denn für heutige Betrachter besteht der Reiz der Fotos vor allem im Kontrast zwischen dieser künstlichen, manchmal fast poppigen Farbigkeit und den bewusst archaischen Sujets, die auch stilistisch ihre Herkunft von schwülstigen Historiengemälden des 19. Jahrhunderts nicht verleugnen können. Schade allerdings, dass all die Wüstensöhne, Hirten und Altstadtgassen nur als hochwertige Drucke gezeigt werden, was aus konservatorischen Gründen natürlich verständlich ist. Trotzdem wäre es schön gewesen, ein paar der wertvollen Glas-Dias (heute Besitz des Joods Historisch Museum Amsterdam) im Original zu sehen. Immerhin: Einen alten Projektionsapparat kann man bewundern. Zuhause in Holland veranstaltete Arie Speelman seinerzeit tatsächlich Vortragsabende über das Heilige Land, bei denen die Aufnahmen mit Hilfe einer Laterna Magica projiziert wurden. Eine in jeder Hinsicht erleuchtende Verwendung, schließlich waren die Bilder von Anfang an nichts anderes als Projektionsfläche für die idealisierten Vorstellungen. Nicht umsonst sind zu einzelnen Bildern, etwa den Fischer-Szenen am See Genezareth, gleich passende Stellen aus dem Neuen Testament angegeben wie Lukas 5,4: „...werfet eure Netze aus, dass ihr einen Zug tut.“

Bis 24. Januar;

Di.-So., 10-18 Uhr. Telefon: 089/ 233 28 189.

von Alexander Altmann

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