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Inge Löhnigs Romane – der neueste heißt „Scherbenparadies“– spielen häufig in München.

Von der Zeitung inspiriert

München - Die Münchner Autorin Inge Löhnig schreibt Thriller für Jugendliche und kann mittlerweile davon leben. Ein Porträt. Und: wir suchen Autoren von morgen!

Immer wenn Inge Löhnig im Dunkeln unterwegs ist und Schritte hinter sich hört, ist der Teufel los. Finstere Gestalten schleichen hinter ihr her. Diebe, Mörder, Psychopathen. Denn nachts schäumt ihre Fantasie über. „In solchen Momenten“, sagt Löhnig, „sollte man seinen Verstand einschalten und die Angst bändigen.“ Aber wenn sie am Schreibtisch sitzt, braucht sie ihre Fantasie. Denn Inge Löhnig aus Hohenbrunn ist Autorin. Autorin für Krimis und Jugend-Thriller. Vor kurzem wurde ihr neues Buch „Scherbenparadies“ im Arena Verlag veröffentlicht. Bei ihm erschien auch mit Riesenerfolg das Kinderbuch „Bendix Brodersen – Angsthasen erleben keine Abenteuer“, das den Buchwettbewerb unserer Zeitung 2010 gewann.

In Löhnigs „Scherbenparadies“, einem Thriller ab 13 Jahren, geht es um die 17-jährige Sandra. Sie wohnt zusammen mit ihrer Halbschwester und ihrer Mutter in Neuperlach. Die Familie lebt von Hartz IV, die Väter sind längst abhandengekommen. Die Mutter, eine Alkoholikerin, lernt einen neuen Freund kennen. Und prompt lässt sie die Kinder allein in der Wohnung zurück. Sandra hat Angst. Angst, dass sie von ihrer Schwester getrennt wird. Dann verliebt sie sich auch noch in ihren Klassenlehrer. Doch sie hat eine eifersüchtige Gegenspielerin. Die treibt Sandra fast in den Selbstmord. Eine Geschichte über Mobbing, Armut und Liebe. Sandra ist eine Kämpferin. Sie will raus aus der Armut, raus aus den tristen Häuserblocks. Im Mittelpunkt steht wie in allen Thrillern die psychologische Komponente.

Autorin Löhnig kann sich gut einfühlen in ihre Protagonistin. „Ich erinnere mich noch gut an meine Pubertät“, sagt sie. Eines weiß sie ganz genau: „Ich möchte nicht noch mal 17 sein.“ Ein Alter, in dem die Selbstsuche beginnt. Für ihre Bücher schöpft Löhnig aus dem Leben. Sie sitzt oft in Cafés, beobachtet die Menschen. Von einem Zeitungsartikel ließ sie sich zu „Scherbenparadies“ inspirieren. Es ging darin um einen Buben, der mit zwei Geschwistern von seiner Mutter im Stich gelassen wurde. Früher arbeitete Löhnig als Grafikdesignerin. Der Sprung zur Schriftstellerin sei ein „hochmütiger Plan“ gewesen. Sie las einen Krimi, der überall an der Spitze der Bestsellerlisten schillerte. Aber das Buch gefiel ihr nicht. Sie schmiss es in die Ecke und dachte: „Das kann ich besser machen.“ Doch so leicht war das alles nicht mit der Schriftstellerei. Sie besuchte Schreibworkshops, wälzte Fachbücher. Fünf Jahre lang brütete sie über ihrem ersten Krimi „Der Sünde Sold“.

Der verstaubte zunächst ein paar Jahre in der Schublade. Denn veröffentlichen wollte sie ihn gar nicht. Erst als sie ihren zweiten Roman fertig geschrieben hatte, an dem ein Verlag interessiert war, holte sie den ersten wieder hervor. Inzwischen hat Löhnig fünf Bücher herausgebracht. „Ich kann mittlerweile davon leben“, sagt sie. Das Schreiben ist akribische Arbeit. Die Teile, in denen es um Polizeiarbeit geht, lässt sie einen Bekannten lesen, der früher bei der Mordkommission tätig war. Sie steht um sechs Uhr in der Früh auf, setzt sich im Schlafanzug und mit einer Tasse Grüntee an den Schreibtisch. Das ist ihre Zeit. Dann hat sie gute Ideen. Der erste Leser ist immer ihr Mann. „Weil er einen unbefangenen, kritischen Blick hat.“ Ihre Bücher spielen oft in München oder im Münchner Umland. „Das vermittelt den Lesern den Eindruck, dass das auch hier um die Ecke passieren könnte“, meint die Autorin. Zum Beispiel, wenn sie im Dunkeln nach Hause gehen.

Von Marlene Kadach

Wir suchen Autoren von morgen!

Sie haben Sinn für den feinen Nervenkitzel?

Für den zweiten Jugendbuchpreis des Münchner Merkur, der Literaturagentur Meller und des Arena Verlages werden unveröffentlichte Thriller-Manuskripte für Jugendliche ab zwölf Jahren gesucht.

Texte, die bereits Verlagen zur Veröffentlichung angeboten wurden, sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

Bitte reichen Sie das Manuskript im Standardformat ein (30 Zeilen à 60 Anschläge pro Zeile inklusive Leerzeichen) und legen Sie eine Kurzvita mit Foto und Ihre Kontaktdaten bei. Die Unterlagen werden nicht zurückgeschickt – senden Sie daher bitte keine Originale ein. Über das Gewinner-Manuskript entscheidet eine Jury. Es wird im Frühsommer 2012 gekürt. Der Sieger-Thriller wird im Arena Verlag veröffentlicht und von der Agentur Meller betreut.

Manuskripte bitte bis 16. Januar 2012 (Poststempel) senden an:

Michael Meller Literary Agency GmbH

Schreibwettbewerb Münchner Merkur

Landwehrstraße 17

80336 München

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