Zerschnittene Tischtücher und abflauende Winde

Münchner Philharmoniker: - "Große Erfolge" und "immer neue Highlights" habe es gegeben. "Seitdem Sie Ihre Position bei den Münchner Philharmonikern angetreten haben, sorgen Sie mit Tatendrang für frischen Wind." Emphatisches durfte Wouter Hoekstra im Juli 2006 anlässlich seines 60. Geburtstages über sich lesen. Absender: Oberbürgermeister Christian Ude.

Doch die Anzeichen mehren sich, dass der frische Wind abgeflaut ist ­ sollte es je einen gegeben haben. Denn in der Stadt ist es ein offenes Geheimnis, dass die Münchner Philharmoniker mit einer Führungskrise kämpfen.

Kritik an Wouter Hoekstra

Im Zentrum: Intendant Wouter Hoekstra, von dessen Amtsausübung mancher enttäuscht ist. Angeblich soll bei den Philharmonikern die interne Kommunikation empfindlich gestört sein. Zudem scheint das Tischtuch zwischen Generalmusikdirektor Christian Thielemann und seinem Intendanten zerschnitten, OB Ude empfing Vertreter der Philharmoniker schon zum Krisengespräch. Außerdem soll sich Thielemanns Agent Till Janczukowicz in der Klassikszene nach Nachfolgern für Hoekstra erkundigen -­ dies natürlich unverbindlich und ohne offizielles Mandat.

Im September 2004 hatte Wouter Hoekstra zusammen mit Thielemann sein Amt angetreten. Beide Verträge wurden für sieben Jahre abgeschlossen. Thielemann hatte sich ein Sonderkündigungsrecht vorbehalten, falls die Orchesterplanstellen unter 120 sinken. Doch sollte er tatsächlich München vorzeitig verlassen, bleibt Hoekstra im Sattel ­ eine Bestimmung, die seinerzeit von der CSU-Fraktion kritisiert worden war. Was Kulturreferentin Lydia Hartl damals mit den Worten konterte: "Wenn der unwahrscheinliche Fall X eintritt, ist wichtig, dass wir einen guten und starken Intendanten haben." Immer wieder hatte Hartl dabei betont, dass Hoekstra ihr und Thielemanns Wunschkandidat gewesen sei.

Was der Doppelspitze Thielemann/ Hoekstra gelang: Die Münchner Philharmoniker und ihr Chefdirigent gelten weltweit als Marke für Deutschromantisches, auf den von ihm eher ungeliebten Tourneen bietet Thielemann daher hauptsächlich Bruckner. Die Einladungen häufen sich bis hin zu Opernprojekten in Baden-Baden, ebenso CDs oder Fernsehaufzeichnungen: Von der Außenwirkung ist das Orchester erfolgreich auf Thielemann zugeschnitten worden. Doch abgesehen von seinen Konzerten, so wird kritisiert, ereigne sich nicht viel Prominentes. Bis auf Stars wie Zubin Mehta oder Lorin Maazel stehen häufig Künstler aus zweiter und dritter Reihe am Pult. Und Programmatisch werde -­ neben der Thielemann-Kost à la Beethoven, Brahms und Bruckner -­ nicht gerade Ambitioniertes serviert.

Eine Krise wird von den Philharmonikern offiziell bestritten. "Davon kann keine Rede sein, wir sind weit davon entfernt", sagt Pressesprecher Carsten Gerhard. "Wenn Diskussionsbedarf da sein sollte, regeln wir das intern."

Zu personellen Neuregelungen dürfte es indes in nächster Zeit kaum kommen. Aller Augen richten sich daher auf den 1. Juli: Dann tritt Hans-Georg Küppers sein Amt als Kulturreferent an, dem vor allem diplomatisches Geschick nachgesagt wird -­ was in der Situation bei den Philharmonikern nur von Vorteil sein kann.

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