Ziegen, Räuber und andere Menschen

- Zu Beginn Martin Sperr. Programmatisch sei die Wahl von "Jagdszenen aus Niederbayern" als Eröffnungsinszenierung keineswegs, nahm Christian Stückl die dringlichste Frage gleich vorweg. "Das Stück hat sich der Regisseur ausgesucht", erklärte der Intendant des Münchner Volkstheaters bei der Präsentation des neuen Spielplanes. Die "Jagdszenen" sollen also keine Orientierung an ländlichen, mutmaßlich für das Volkstheater geeigneten Stoffen darstellen. Am 3. Oktober wird Florian Fiedler seine Inszenierung vorstellen.

<P>Doch zunächst blickte Stückl zurück. Er zeigte sich durchaus zufrieden mit seinem ersten Jahr in München, die erreichten 73 Prozent Auslastung seien "bundesdeutscher Durchschnitt" und auf dem Niveau von Ruth Drexels letztem Jahr. Doch Stückl bat auch um Geduld. "Der Aufbau des Ensembles wird noch etwas dauern", sagte er. Zwei Jahre müsse man schon noch warten, bis man "eine starke Truppe" geworden sei.<BR><BR>So gibt der Intendant sein Vertrauen weiterhin in die Hände von jungen Leuten wie Florian Fiedler, der im letzten Jahr mit "Klein Eyolf" Stückls Wohlwollen gewann. Wie um die konzeptionelle Vorwarnung seines Chefs zu bestätigen, erklärte Fiedler, dass ihn an den "Jagdszenen" weniger die dörfliche Gemeinschaft oder das Volksstückhafte interessiere, als vielmehr die zentralen Figuren selbst. Deren Beziehungen untereinander, ohne den Druck der gesellschaftlichen Autorität, wolle er untersuchen.<BR><BR>Überraschend ist dann aber, dass in der zweiten Premiere gegen Ende November Stückl selbst mit einer artverwandten Geschichte reüssieren will. Unter dem Titel "Der Schachtermühlhiasl" wird er eine eigene Fassung vom Leben des Räuber Kneißl präsentieren. Fortgesetzt wird die Saison mit Shakespeare. "Was ihr wollt" unter der Anleitung von Jorinde Dröse wird im Februar 2004 herauskommen. Danach wird's skurril: Stückl inszeniert "Die Ziege oder Wer ist Sylvia?", ein neues Drama von Edward Albee. Ein Mann will seine Frau verlassen, weil er sich in eine Ziege verliebt hat.<BR><BR>Darüber hinaus kündigte das Volkstheater eine Kooperation mit dem Regisseur Gil Mehmert an, der ab April 2004 eine - bis jetzt noch nicht detailliert erdachte - Aufführung mit viel Musik anbieten wird.<BR><BR>Vorher wird jedoch gefeiert. Am 24. November gibt das 20-jährige Jubiläum des Volkstheaters nach der Neueröffnung 1983 Anlass für einen Heimatabend. Neu im Programm ist ab 21. Oktober ein wohl einzigartiges Experiment, eine in regelmäßigen Abständen fortzusetzende Serie: "Unsere VolksFarm" soll eine improvisierte, interaktive Theatersitcom mit Anspielungen auf das eigene Haus werden.</P><P><BR>Zur Spielzeiteröffnung am 3. Oktober eine Premiere: Florian Fiedler inszeniert fürs Münchner Volkstheater Martin Sperrs Stück </P>

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