Münchner Theaterszene

Zieht es "Heppel & Ettlich" ins "Theater 44"?

Münchens Privattheater-Szene ist in Bewegung: Im Frühjahr schließt das traditionsreiche "Theater 44" an der Hohenzollernstraße 20 - als Nachfolger stehen offenbar Wolfgang Ettlich und Henny Heppel bereit, die die Theaterkneipe "Heppel & Ettlich" betreiben.

Sein Interesse an den Räumen bestätigte Wolfgang Ettlich im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit dem Ende des "Theaters 44", das seinen Betrieb wohl Anfang Mai einstellt, schließt das älteste Münchner Privattheater. 1959 gründete Horst A. Reichel die Bühne, die er bis heute mit seiner Frau Irmhild Wagner leitet. Seit 1962 ist das Theater an der Hohenzollernstraße zu finden. Damals spielte man zur Eröffnung "Geschlossene Gesellschaft" - eine Inszenierung des Sartre-Stücks wird nun auch die letzte Premiere sein. Vor dem letzten Vorhang soll jedoch im April zunächst der 50. Geburtstag der Bühne gefeiert werden, auf der vor allem zeitgenössische Autoren gespielt werden (aktuell: "Auf dem Chimborazo" von Tankred Dorst).

Zahlreiche Schauspieler und Regisseure, die heute aus Film und Fernsehen bekannt sind, arbeiteten zu Beginn ihrer Karrieren im "Theater 44": Heiner Lauterbach, Katja Flint, Otto Sander oder Margarethe von Trotta.

Wenn das Duo Reichel/Wagner seine Theatertüren zusperrt, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass die Bühne verwaist: Mietverträge sind zwar noch keine unterschrieben, doch Wolfgang Ettlich nennt den Standort an der Hohenzollernstraße eine "schöne Alternative" zum "Heppel & Ettlich" an der Kaiserstraße 67.

Verständlich, dass der Theaterleiter noch nicht konkret über seine Pläne sprechen will - er verrät jedoch, dass es bei einer Nachnutzung des "Theaters 44" durch ihn und seinen Kompagnon Henny Heppel thematisch in Richtung "bunte Bühne" gehen könnte: Theater, Lesungen, Kabarett und Film sollten auf dem Spielplan stehen - "ohne den Küchenstress", den es bislang im Haus an der Kaiserstraße zu bewältigen gilt. Unklar ist auch, ob "Heppel & Ettlich" komplett umzieht oder das Duo seine bisherige Theaterkneipe weiterbetreibt. Ettlich: "Die Kaiserstraße soll in jedem Fall kulturell weitergenutzt werden."

Horst A. Reichel jedenfalls wäre "auf jeden Fall" erleichtert, wenn es eine künstlerische Nachnutzung für sein "Theater 44" geben würde: "Der Raum ist so schön. Den sollte man nicht kaputt machen. Außerdem ist das Theater mein Kind - jeden Nagel in der Wand habe ich selbst reingehauen."

Michael Schleicher

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