Bis zum Ziel ist es noch weit

- Eine ausverkaufte Allerheiligenhofkirche zum Start lieferte den besten Beweis: Die Idee, das Münchener Bach-Orchester als Originalklang-Ensemble neu zu gründen, kommt an. Das Feld der Alten Musik ist in München noch nicht abgegrast.

Hansjörg Albrecht, der neue junge Chef des Münchener Bach Chores, hat gut zwanzig Musiker um sich geschart, die - angeführt von der Barock-Violinistin Annegret Siedel - auf historischen und nachgebauten Instrumenten musizieren. Mit Bachs vier Orchestersuiten gab das brandneue Ensemble am Freitagabend seine Visitenkarte ab. Noch nicht auf Bütten.

Gleich zu Beginn, mit der 3., der D-Dur-Suite gab es - trotz langwierigen Stimmens - Irritationen. Die Trompeten störten noch bis zur flotten Gigue das insgesamt etwas wacklige Klangbild und hatten selbst nach ausgiebiger Pause in der abschließenden 4. Suite noch Intonations-Probleme. Auch bei den Holzbläsern, den Oboen, spürte bzw. hörte man die Anspannung. Die Streicher machten da im Chor bessere Figur, nicht nur in der allbekannten und hier nun endlich einmal in ihrem Kontext zu hörenden Air aus Nummer 3.

Hansjörg Albrecht gab vom Cembalo aus die Impulse, und man merkte sehr wohl, wie lebendig, plastisch und doch nie überakzentuiert er Bachs Suiten musizieren möchte, dabei in jedem Tanz den speziellen Charakter herausstreichend. Von der eleganten Courante bis hin zum "exotischen" Forlane.

Albrecht Hampe hatte es zunächst mit seiner sanften Barock-Flöte in der 2., der h-moll-Suite, nicht leicht. Vielleicht spielte auch die nicht ideale Akustik des ansonsten so stilvollen Kirchenraums eine Rolle. Dennoch setzte er sich zunehmend durch (Polonaise) und kam bis zur virtuos dahinstürmenden Badinerie richtig in Fahrt.

Der freundliche Beifall zum Start sollte Hansjörg Albrecht und sein Bach-Orchester nicht täuschen: Das Ziel ist noch weit.

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