Das ist ziemlich viel verlangt

- Sie ist das Filetstück der Münchner Kammerspiele: die Otto-Falckenberg-Schule. Die Ausbildungsstätte nimmt seit eh und je einen Spitzenplatz unter den deutschsprachigen Schauspielschulen ein. Jetzt steht ihr ein Wandel bevor. Erstens: Direktor Christoph Leimbacher (60) wird im Sommer 2007 das Institut verlassen. 2006 soll sein Nachfolger beziehungsweise seine Nachfolgerin schon ins Direktorium mit einsteigen - zur Einarbeitung, wie Leimbacher sagt. Zweitens steht in absehbarer Zeit auch noch eine räumliche Veränderung an: Seit Jahren im schönen Provisorium an der Dachauer Straße, zieht die Falckenbergschule am 17. März zurück in ihr altes, angestammtes Haus auf dem Kammerspiele-Gelände in der Hildegardstraße.

"Wir dürfen nicht in einen Zuliefererdienst abdriften." Christoph Leimbacher

Mit der kompletten Sanierung des Gebäudes ist dann endlich der Umbau des städtischen Theaterkomplexes Kammerspiele abgeschlossen. Und die angehenden Schauspieler können sich demnächst wieder in unmittelbarer Nähe des Theaters bewegen. "Nur der Rollenunterricht", so Leimbacher, "wird bis Ende 2007 noch hier in der Dachauer stattfinden", so lange, bis das zusätzliche Haus in in der Stollbergstraße fertiggestellt ist.

Christoph Leimbacher also darf zufrieden sein. Seine Bilanz kann sich sehen lassen. Mit zehn Jahren ist er der Direktor, den es am längsten auf diesem Posten gehalten hat. Und das kommt daher, dass er ihn für sich nicht als Sprungbrett zu "Höherem", einer Intendanz etwa, bewertet hat. Aber auch nicht als Abstellgleis, was diese Stelle in der Vergangenheit durchaus auch sein konnte.

Leimbacher, der junge Menschen einem Beruf zuführt, bei dem sie ohne eine gewisse Eitelkeit und Egozentrik nicht auskommen, ist selbst der uneitelste, bescheidenste Mensch, den man sich denken kann. Einer, der nicht im Vordergrund stehen will, der aber alles tut, damit seine Schauspielschüler einmal ganz vorne mitspielen. Leimbacher: "Wir haben im Moment ein unheimliches Glück: Bei der gegenwärtigen Marktlage können wir luxuriös darüber reden, ob unsere Absolventen ans Residenztheater, ans Volkstheater oder an die Kammerspiele gehen; ob sie ein Engagement in Zürich oder Berlin annehmen. Hoffentlich hält das noch einigermaßen an."

Und von Glück kann er auch sagen, dass die Falckenbergschule die große Finanzdiskussion im Stadtrat vor zwei Jahren überlebt hat.

Im Moment gibt sich Leimbacher den Anschein, als halte er sich aus seiner Nachfolgefrage vollkommen raus. Die Entscheidung werde der Intendant der Kammerspiele, also Frank Baumbauer, treffen. Darüber hinaus hat er aber vertraglich keinerlei Anspruch darauf, inhaltlich, konzeptionell in die Arbeit des Falckenberg-Direktors einzugreifen. Wenn Baumbauer hier also stärker präsent sein und Einfluss nehmen will, muss er eine Person wählen, die ihm eng verbunden ist. Ob das für die Schule ein Problem werden könnte? Wie sollte der zukünftige Leiter oder die Leiterin aussehen?

Leimbacher: "Keine Ahnung." Was denn Leimbachers Voraussetzungen für dieses Amt gewesen waren? "Das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, warum's einigermaßen funktioniert. Ich weiß nicht, was das war, das am meisten geholfen hat. Leiter der Falckenbergschule - das ist kein Job. Es gibt dafür kein Rollenbild. Was man natürlich können muss: mit Geld umgehen, ein Budget überblicken, organisieren; man muss beweglich sein und neugierig. Also von allem eben so ein bisschen." Und die Frage der Persönlichkeit, der künstlerischen Urteilsfähigkeit spielt keine Rolle? Leimbacher: "Doch. Aber wie misst man das? Ich würde sagen, dass bei der Besetzung dieser Stelle eher im Bereich Schauspieler und Regisseur gesucht werden sollte als im Bereich Dramaturgie. Denn wie man den Text umsetzt auf die Rolle, das ist das Entscheidende."

Das ist aber etwas, was die Studenten auch in der praktischen Arbeit am Abend auf der Bühne lernen können. Doch kommen sie in den Aufführungen der Kammerspiele kaum noch vor. Leimbacher: "Ja, das ist jetzt etwas weniger als früher. Das liegt an den fehlenden großen Klassiker-Inszenierungen, wo bei Dieter Dorn immer eine Gruppe Junger mit dabei war. Da das heute nicht mehr so ist, hat es sich wie von selbst ergeben, dass wir mit unseren Schauspielschülern freier wurden gegenüber dem Volkstheater und dem Residenztheater."

Doch auch da kann nicht immer jeder Wunsch erfüllt werden: "Wenn die Studenten gerade in einem Projekt stecken, kann ich sie nicht herauslassen. Disziplin und Verantwortung ist alles am Theater. Und wir dürfen nicht in einen Zuliefererdienst abdriften."

Das Schwierige an der Ausbildung heute sieht Leimbacher vor allem darin, "dass die Schüler meistens direkt vom Abitur zu uns kommen. Und dreieinhalb Jahre später sollen sie als erwachsene Menschen mit gelerntem Handwerk und einer Einstellung zum Beruf das Institut verlassen. Das ist ziemlich viel verlangt. Ich denke, dass uns da der Werkstattcharakter, den wir hier in der Dachauer Straße haben, sehr hilft. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich eine Schule leite, sondern eine Werkstatt. Es gibt nämlich nicht nur ein Theaterbild, auf das alles hinzielt. Da ich glücklicherweise nicht weiß, wie es auszusehen hätte, kann ich auch nicht sagen, die Schule lehrt so und so. Dafür ist Theater viel zu vielfältig."

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