Polizeikontrolle eskaliert: Mann liefert sich Verfolgungsjagd mit Beamten

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Ganz schön mitgenommen sieht er auf diesem Foto aus, der Stephan Zinner. Kein Wunder, es sei ja schließlich auch „brutal“ gewesen, das erste Buch zu schreiben, verrät der Schauspieler, Musiker und Kabarettist. Aber Spaß habe es natürlich auch gemacht. Foto: christoph gremmer

Interview

Zinners dunkle Seiten

München - Der Kabarettist und Musiker Stephan Zinner stellt heute sein erstes Buch „Flugmango“ vor. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Warum heißt die Flugmango eigentlich Flugmango? Und trinkt Gott Löwenbräu? Diesen und anderen wirklich wichtigen Fragen des Lebens stellen sich die Protagonisten in den Erzählungen von Stephan Zinner, Jahrgang 1974. Er macht die kleinen Leute zu den Helden seines ersten Buches. Heute stellt der Schauspieler, Musiker und Kabarettist, der heuer erneut auf dem Nockherberg als Bayerns Finanzminister Markus Söder die Zuschauer begeisterte, sein Buch im Münchner Volkstheater vor. Vorab sprachen wir mit Zinner auch über die düsteren Seiten in „Flugmango“.

Manches in Ihrem ersten Buch „Flugmango“ liest sich wie ein Psychothriller...

Es war ja auch nicht so gedacht, dass ich einfach meine Kabarettnummern für ein Buch umbaue. Ich habe eher überlegt: Was würde ich gerne lesen? Wenn es nur lustig ist, dann fehlt ja jedes Überraschungsmoment.

Haben Sie jetzt Blut geleckt am Thriller-Genre?

Auf alle Fälle. Ich schaue mir so etwas ja auch gerne an. Lust hätte ich auf jeden Fall, so etwas zu schreiben. Spannung ist immer gut. Obwohl, ich kann im Fernsehen keine Polizisten mehr sehen...

Als Schauspieler haben Sie Ihre dunkle Seite bislang nicht gezeigt...

Die Angebote, die ich bekomme, sind nicht unbedingt aus diesem Genre. Im „Tatort“ habe ich es auch nie zum Mörder geschafft. Aber Bösewichte sind schon geile Rollen.

Einige Ihrer Geschichten haben Hitchcock-Anleihen. War der Ihr Vorbild?

Nein, gar nicht. Ich liebe aber Raymond Carver. Beim Schreiben habe ich zwar nicht unbedingt daran gedacht, aber als ich es dann gelesen habe... Ich mag es, wenn nicht alles auserzählt wird, vieles nur angedeutet ist. Dass man dem Leser noch genug lässt.

Hat Ihnen das Schreiben Ihres Debüts so viel Spaß gemacht, dass es nicht bei einem Buch bleiben wird?

Es hat viel Spaß gemacht, aber ich habe auch gemerkt, dass es richtig viel Arbeit ist. Ich war da teilweise richtig naiv. Man kann ja ständig an Worten und Sätzen rumdrehen, das hört ja nicht auf! So ein Lied ist einfach mal fertig. Da ist vielleicht eine Zeile ein wenig holprig, aber live groovt sich das ein. Aber so ein Text – das ist ja brutal.

Die „Flugmango“-Geschichte, die dem Band den Titel gibt, ist in ihrer Diktion und ihrem Humor sehr münchnerisch.

Stimmt schon. Ich glaube, bei Lesungen macht das sehr viel aus, wo man gerade ist. Da ist der Einfluss vom Ort und vom Raum noch viel stärker als beim Kabarett.

In einer anderen Geschichte will Gott kein Löwenbräu trinken. Hatten Sie keine Angst, Ärger mit der Brauerei zu kriegen?

Mei. Ich habe natürlich überlegt, ob das jetzt Ärger gibt und ob ich das dann aussitzen kann. Aber ich bin halt ein leidenschaftlicher Biertrinker. Ich hätte noch andere Biere, die Gott, glaube ich, nicht trinkt. Da muss man dazu stehen. Ich komme aus Trostberg, und da gibt es diese kleinen Brauereien. Da kann dir vielleicht ein Bier mal nicht schmecken, aber es ist grundsätzlich ein gutes Bier. Ich hoffe, Löwenbräu lässt mich noch in seinen Wirtschaften auftreten.

Was erwartet das Publikum heute Abend im Münchner Volkstheater?

Es kommen noch ein paar Spezln, und wir machen Musik. Bei so Lesungen ist es immer gut, wenn zwischendurch mal ein Song kommt. Also eher ein lockerer Rahmen. Jule Ronstedt (Schauspielerin und Regisseurin; Anm. d. Red.) tritt auf und liest eine Geschichte – damit es nicht zu Zinner-lastig wird.

Sie sind Schauspieler, Musiker, Kabarettist und jetzt auch Autor. Wie groß ist die Gefahr, sich dabei zu verzetteln?

Klar, die Gefahr ist gegeben, dass man sagt: Ich kann alles, ich mache alles. Ich weiß aber genau, dass ich nicht alles kann, und ich werde mich nicht hinsetzen und parallel einen Film drehen, ein Kabarettprogramm und ein Buch schreiben.

Bei Ihnen klingt immer alles so locker. Gibt es eine Sache, bei der Sie so gar nicht locker sind?

Ich sage mal, wenn ich das letzte Solo-Album „Wuide Zeiten“ verschissen hätte, da hätte ich mich eingesperrt. Weil das war mich schon sehr wichtig.

Das Gespräch führte Antonio Seidemann.

Stephan Zinner:

„Flugmango“. Lichtung Verlag, 92 Seiten; 10,90 Euro.

Der Autor stellt sein Buch heute, 20 Uhr, im Münchner Volkstheater vor. Karten unter Telefon 089/ 523 46 55.

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