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Hans-Jürgen Buchner alias Haindling verbindet erfolgreich Welt- mit Volksmusik. Am kommenden Sonntag wird der Niederbayer 65 Jahre jung.

Haindling: "Mir ist Bayern groß genug"

München - Er ist der Mann, der bayerische Musiktradition und Weltmusik perfekt zu einem einzigartigen Klang verbindet: Hans-Jürgen Buchner – besser bekannt als Kopf der Gruppe Haindling.

Kein Wunder, dass Buchner 2010 bei der Expo in Shanghai und der Fußball-WM in Kapstadt als Bayerns Kulturbotschafter auftreten wird. Zudem ist Buchner einer der prominentesten Filmmusik-Komponisten Deutschlands. Am 27.12. feiert der Niederbayer seinen 65. Geburtstag.

Buchner und die Gruppe Haindling sind kein Designprodukt der Musikindustrie. Als der Multi-Instrumentalist, der auf seiner aktuellen CD Ein Schaf denkt nach vom Flügel über die Tuba bis zu singenden Sägen mehr als ein Dutzend Instrumente spielt, zum Profi-Musiker wurde, hatte er bereits eine erste Karriere als Kunsthandwerker hinter sich. Schon mit 21 war Buchner Töpfer-Meister, 1978 wurde er zusammen mit seiner Freundin – und heutigen Ehefrau – Ulrike Böglmüller mit dem Bayerischen Staatspreis für Keramik ausgezeichnet.

Anfang der 80er wurden durch die Neue Deutsche Welle zahlreiche bis dahin kaum bekannte Bands nach oben gespült. Auch der frühere Hobbymusiker Buchner stürmte mit Lang scho nimma g’sehn die Charts, Deutscher Schallplattenpreis inklusive. Auch beim Künstlernamen blieb Buchner bodenständig: Er nannte seine Gruppe nach dem Dorf, in dem er lebt. So wurde das kleine Haindling, ein Ortsteil der Stadt Geiselhöring, bundesweit bekannt. Haindling hat zwar von der damaligen Popmusikwelle profitiert, sich vom NDW-Sog aber nicht zu sehr mitreißen lassen. „Ich habe mich keiner Modewelle angehängt“, sagt er. „Ich habe meinen eigenen Klang geschaffen, und der ist nach 28 Jahren immer noch beliebt.“

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Dass er nicht wie andere Popstars schon als junger Musiker ganz oben stand, sieht er positiv. „Ich bin froh, dass ich nicht mit 20 einen so großen Erfolg gehabt habe, sondern erst mit 38. Es steigt einem dann nicht so in den Kopf.“ Nach wie vor ist Haindlings Musik in ganz Deutschland präsent, beispielsweise als Titelmusik der Rosenheim-Cops. Die meisten Fans gibt es freilich im Freistaat. Deswegen konzentriert sich Buchner bei seinen Konzerten im Sommer auch auf seine bayerische Heimat. Er mag nicht vor nur 300 Leuten in Hamburg auftreten, sagt er. „Mir ist Bayern groß genug.“

In den Wintermonaten kümmert er sich meistens in seinem Studio um Filmmusiken. Aktuell arbeitet er an der Untermalung der neuen Folgen der BR-Fernsehserie Der Kaiser von Schexing von Franz Xaver Bogner. Bei ihm ist Haindling Hauskomponist seit der Kultserie Irgendwie und sowieso (1986). Buchner macht sich schon lange für Umweltthemen stark und thematisiert in seinen Liedern immer wieder die Zerstörung der Natur. So hat er auf seinem jüngsten Album den vom Aussterben bedrohten Eisbären ein Lied gewidmet. Für langwierige Politiker-Debatten um den Klimaschutz, die dann kaum Ergebnisse bringen, hat er kein Verständnis. „Da zeigt der Mensch auf traurigste Weise, wie dumm er ist. Die Rechnung bekommen wir. Die Rechnung der Dummheit.“

Trotz seines bevorstehenden 65. Geburtstages kann sich Buchner mit dem Rentenalter noch nicht so richtig identifizieren. „Eigentlich fühl ich mich wie etwas über 30. Am Unglaublichsten für mich ist die Vorstellung, dass ich in 15 Jahren 80 wäre.“

Ulf Vogler

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