Zsuzsanna Gahse erhielt Chamisso-Preis

- "Eine Joyceianerin würde ich sie nicht nennen, aber vielleicht doch eine Finnegan's Wakeianerin", sagte der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy über Zsuzsanna Gahse, die in der Münchner Allerheiligen-Hofkirche den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung bekam. Neben Gahse wurden die aus dem Iran stammende Sudabeh Mohafez und die in Kasachstan geborene Eleonora Hummel mit Förderpreisen bedacht. Seit 1985 werden diese Auszeichnungen an deutsch schreibende Autoren vergeben, deren Muttersprache oder kulturelle Herkunft eine andere als die deutsche ist. Die Preise sind mit 15 000 und jeweils 7000 Euro dotiert.

In seiner kurzweiligen, mit doppelbödiger Ironie spielenden Laudatio hob Péter Esterházy die literarischen Qualitäten seiner Landsmännin Gahse hervor. Ihr reflektiver Umgang mit den verschiedenen Idiomen, ihre Fähigkeit, Sprünge innerhalb der Sprache in Augenschein nehmen zu können, resultiere aus ihrer immer bewahrten "Freiheit und Disziplin der Daraufsicht von außen". Roter Faden von Esterházys Ansprache war der stete Verweis auf Adelbert von Chamisso, der trotz seiner Sozialisation im französischen Sprachraum als deutscher Schriftsteller berühmt wurde.

Wie Chamisso begreift sich auch Zsuzsanna Gahse als deutsche Schriftstellerin. 1946 in Budapest geboren, gelangte sie 1956, nach der Flucht aus Ungarn, mit ihren Eltern zunächst nach Wien, lebte später in Kassel und in Stuttgart. Zu den Veröffentlichungen der mittlerweile in der Schweiz beheimateten Autorin gehören Erzählbände ("Stadt, Land, Fluß", "Durch und durch"), Romane ("Kellnerroman", "Nichts ist wie: oder Rosa kehrt nicht zurück") und Übersetzungen aus dem Ungarischen.

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