„Sie alle tragen mich“: Merkel appelliert vor Kampfabstimmung an Fraktion - und verliert

„Sie alle tragen mich“: Merkel appelliert vor Kampfabstimmung an Fraktion - und verliert

Zugaben des Meisters

- Irgendwann gelingt Woody Allen und seiner New Orleans Jazz Band das Wunder: Das Publikum im ausverkauften Münchner Prinzregententheater hört auf, den Klarinette-Spieler (Allen) der Gruppe anzustarren und genießt stattdessen die Musik. Es dauert freilich eine Zeit, doch das ist nicht verwunderlich. Es ist schließlich nicht irgendein Jazz-Konzert. Einer der sieben Musiker auf der Bühne ist eine Hollywood-Legende, die man sonst nur auf der Leinwand zu Gesicht bekommt. Aber Oscar-Preisträger und Intellektuellen-Ikone Woody Allen hat sichtbar so viel Spaß an der Musik, dass sich die anfangs in Ehrfurcht erstarrten Fans davon anstecken lassen.

<P>Mit stampfendem Fuß spielt sich Allen durch ein buntes Repertoire traditioneller amerikanischer Musik. Ragtime, Jazz, Blues und Gospels stehen auf dem Programm, alle im Südstaaten-Dixie-Stil arrangiert. Manche Stücke klingen dadurch durchaus eigenwillig. Selbst bekannte Standards wie "You are my Sunshine" oder "St. Louis Blues" sind kaum wieder zu erkennen, klingen aber interessant. Bei den Gospels und Spirituals ist die Band aber offenkundig nicht so recht in ihrem Element. Den New Yorker Zynikern fehlt wohl der Zugang zu dieser Musik. Doch an diesem Abend zählt ohnehin eher die aufrichtige Liebe zum Jazz als Können oder Virtuosentum.</P><P>Allen selbst weist in launigen Ansagen immer wieder darauf hin, dass hier keine professionellen Musiker am Werk sind, sondern Amateure, Liebhaber. Wobei Allens Mitstreiter durchaus überzeugen. Insbesondere Bassist Conal Fowkes und Banjo-Spieler Eddy Davis beweisen echte Klasse. Der Meister hat einen ganz spezifischen, gewöhnungsbedürftigen Sound. Merkwürdig abgehackt wirkt mitunter sein Spiel, aber das hat seinen Reiz, denn es verleiht dem süffigen Dixie-Klang seiner Band eine schräge Note. Dem Auditorium jedenfalls gefällt's, und Allen lässt sich am Ende zu sieben Zugaben hinreißen, nachdem er sich zur allgemeinen Erheiterung zuvor bereits drei Mal verabschiedet hatte. Es war bestimmt nicht das beste Konzert des Jahres, gewiss aber das unterhaltsamste.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wer ist das Modell? Geheimnis um dieses Skandal-Kunstwerk gelüftet
Es ist ein Kunstwerk, das einem die Röte ins Gesicht treiben kann. Doch es ist ein Meisterwerk von Gustave Courbet. Lange rätselte die Kunstwelt, wer dem französischen …
Wer ist das Modell? Geheimnis um dieses Skandal-Kunstwerk gelüftet
Neues Dreiviertelblut-Album: Kein Lied ohne Hinterhalt
Diese Woche erscheint das spannende Album „Diskothek Maria Elend“ von Dreiviertelblut. Es wartet mit bösen Überraschungen auf.
Neues Dreiviertelblut-Album: Kein Lied ohne Hinterhalt
Verliebt, verlobt, verhasst am Münchner Volkstheater
Kieran Joel inszenierte zum Start der neuen Spielzeit am Münchner Volkstheater Shakespeares „Sommernachtstraum“. Lesen Sie hier unsere Premierenkritik:
Verliebt, verlobt, verhasst am Münchner Volkstheater
100 Minuten lang nur ein netter Li-La-Laune-Bär - so war‘s bei Rea Garvey in München
„Das Leben ist schön“ - ein Netter ist er schon, der Rea Garvey. Aber für Oktoberfeststimmung taugt sein Konzert in der Olympiahalle lange Zeit nicht.
100 Minuten lang nur ein netter Li-La-Laune-Bär - so war‘s bei Rea Garvey in München

Kommentare