"Zukunft Bayreuth" - Wagner-Schwestern wollen behutsam reformieren

Bayreuth - "Zukunft Bayreuth" nennen Eva Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (30) ihr Bewerbungskonzept für die künftige Leitung der Bayreuther Festspiele. Auf neun Seiten beschreiben die beiden Halbschwestern darin, wie sie das weltweit renommierteste Musikfestival führen wollen, wenn sie am 1. September vom Stiftungsrat zu Nachfolgerinnen ihres dann 89-jährigen Vaters Wolfgang Wagner gewählt werden sollten.

Fazit: Die beiden Urenkelinnen von Richard Wagner wollen die Festspiele behutsam reformieren, sie planen keine großen Änderungen oder gar revolutionäre Neuerungen. Ihr Ziel ist es, die künstlerische Qualität der Festspiele zu steigern und die mediale Vermittlung und Vermarktung voranzutreiben.

"Aufgabe einer neuen Festspielleitung muss es sein, den legendären und vielzitierten "Bayreuther Geist" zu bewahren und wieder neu zu stärken", schreiben die Schwestern in ihrem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt. Denn dieser Geist habe Schaden genommen - "durch manche Defizite in der künstlerischen Qualität sowie durch eine oft unzeitgemäße Medien- bzw. Pressepolitik".

Der Anspruch der beiden Wagner-Schwestern, die als gleichberechtigte Geschäftsführerinnen fungieren wollen, ist groß. "Was im Bayreuther Festspielhaus zu hören und zu sehen ist, soll Inbegriff und Maßstab für die musikalische und szenische Deutung von Richard Wagners Musikdramen sein", schreiben sie. In drei Bereichen sehen sie dabei "dringenden Bedarf" für eine schärfere Profilierung: Bei der Gewährleistung hoher künstlerischer Qualität; bei der Ausstrahlung der Festspiele auf die internationale Opernkultur; und schließlich beim Erscheinungsbild der Festspiele.

Zur Sicherung der musikalischen Qualität wollen Eva und Katharina den Dirigenten Christian Thielemann als Berater gewinnen, der bis über 2015 hinaus ohnehin in jedem Festspielsommer in Bayreuth präsent sein wird. Daneben sollen internationale Spitzendirigenten ebenso verpflichtet werden wie "Dirigenten, deren Herkunft aus der historischen Aufführungspraxis einen neuen, aufschlussreichen Blick auf Wagners Partituren verspricht". Bei der Auswahl der Regisseure soll auf eine "erkennbare Handschrift, die neue Einsicht in Wagners Musikdramen verspricht", ebenso geachtet werden wie auf "eine Mischung unterschiedlicher Regieansätze".

Was den Spielplan betrifft, wollen die Schwestern in Bayreuth weiterhin nur Wagner-Opern spielen. Würde man andere Komponisten aufführen, so würde Bayreuth seine Einmaligkeit verlieren, warnen sie. Auch der Kanon der aufgeführten Werke von "Holländer" bis "Parsifal" soll nicht angetastet werden. Von der vieldiskutierten Aufnahme der Frühwerke in den Spielplan halten sie nicht viel: Allenfalls Aufführungen des "Rienzi" könnten "überlegenswert" sein; die "Feen" und das "Liebesverbot" zu zeigen, sei dagegen nicht zweckmäßig. Unrealistisch sei auch eine Verlängerung der Festspiele.

Breiten Raum in dem Konzept nimmt das Thema "Neue Vermittlungsformen" ein. Den Festspielen sei in den vergangenen Jahren "nicht grundlos" eine unzureichende Medienarbeit vorgeworfen worden, räumen die Wagner-Schwestern ein. Das wollen sie mit Aktivitäten ändern, die in dieser Spielzeit zum Teil bereits angelaufen sind: einem neuen Internet-Auftritt, Live-Übertragungen von Aufführungen auf öffentliche Plätze, ins Fernsehen und in Kinos, TV-Aufzeichnungen, CD- und DVD-Auswertung. Damit könnten auch neue Publikumsschichten und die jüngere Generation angesprochen werden. Geplant ist ferner eine "Festspielakademie Bayreuth", die der künstlerischen Ausbildung in Gesang, Regie, Bühnenbild und anderem dienen soll. Bei der Finanzierung wollen sich die Wagner-Schwestern künftig stärker auf die Einwerbung von Spenden- und Sponsorengeldern stützen.

Alle dramaturgischen und inhaltlichen Entscheidungen über den Spielplan, Dispositionen, Konzeptionen, Dirigenten, Regisseure und Ausstatter sollen gemeinschaftlich getroffen werden. Im Alltag will sich Eva Wagner-Pasquier um die künstlerischen Vertragsangelegenheiten und das Casting kümmern, Katharina Wagner um Produktionsleitung, PR und Marketing. "Aufgrund ihres Alters und ihrer Arbeit als Regisseurin wird Katharina Wagner gleichsam das junge "Gesicht" der Festspiele sein, sie steht für ein modernes Wagner-Bild und kann somit auch ein jüngeres Publikum für Wagner begeistern", heißt es in dem Papier.

Eva Wagner-Pasquier stehe für erstklassige musikalische Qualität, für Planungssicherheit, einen verantwortlichen Umgang mit den finanziellen Ressourcen und eine verstärkte Einbindung der Festspiele in das weltweite Operngeschehen. Die Wagner-Schwestern schließen ihr Bewerbungskonzept mit den Worten: "Wir beide sind bereit, unsere Erfahrungen und Fähigkeiten einzubringen und sind uns unserer großen Verantwortung bewusst, die Bayreuther Festspiele zu führen."

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