Die Zukunft garantieren

- Was für die Bühnen in Rostock oder Saarbrücken genug sein mag, ist in München noch lange nicht ausreichend. Denn hier wird um eine Platzausnutzung gekämpft im 80er- und 90er-Prozentbereich. Hier orientiert man sich gern an der Bayerischen Staatsoper und dem Bayerischen Staatsschauspiel. Da vermasseln die Zahlen der dritten Staatsbühne, des Münchner Gärtnerplatztheaters (68 Prozent), die Optik.

Also wird, wie bereits in unserer Ausgabe vom vergangenen Wochenende berichtet, gemunkelt über die Nichtverlängerung von Klaus Schultz' Intendantenvertrag, der nach elf Jahren 2007 endet. Wenngleich das ein am Theater durchaus normaler Vorgang ist - Intendanten entscheiden in ihrer Amtsführung selbst oft genug, Verträge von Künstlern nicht zu erneuern -, wirbelte diese Nachricht doch einigen kulturpolitischen Staub auf. Denn damit verbunden war das Gerücht, in Thomas Goppels Kunstministerium gäbe es den Plan, dass das Theater am Gärtnerplatz nur noch als Operettenbühne und Haus für so genannte Spielopern fungieren soll.Zum Thema Intendanz schweigt sich das Ministerium nach wie vor aus. Auch Klaus Schultz selbst, der sich zurzeit auf seinem Nebenschauplatz Bayreuther Festspiele befindet, will sich nicht äußern. Im Theater selbst sagt Verwaltungsdirektor Stefan Obermeier, man hoffe, dass die Bekanntgabe, wer ab 2007 am Gärtnerplatz das Sagen haben soll, noch in dieser Spielzeit erfolge. Und die endet am 28. Juli mit der "Zauberflöte".Aber zur inhaltlichen Ausrichtung von Münchens zweitem Musiktheater kommt aus Goppels Haus nun eine eindeutige Stellungnahme. Ministerialdirigent Toni Schmid: "Wir wollen das Gärtnerplatztheater natürlich erhalten; gerade darum hätten wir gerne, dass mehr Leute reingingen. Wir wollen nicht die künstlerische Ausrichtung herunterschrauben auf Operette und Spieloper. Ziel ist es, die Zukunft dieses Hauses zu garantieren. Wir versuchen gerade, das Gärtnerplatztheater als Opern- und Operettenhaus zu sichern."Das heißt, ganz gezielt auf ein Publikum hinzuarbeiten, das nicht auch jenes der übermächtigen Staatsoper ist. Das soll heißen, dass weiterhin alle Werke, auch die großen Opern, auf Deutsch gebracht werden. Das bedeutet, weniger ambitionierte als volksnahe Inszenierungen zu bieten. Und mehr Marketing, denn damit - das weiß man von der Staatsoper - lässt sich auch Misslungenes gut verkaufen. Wenn denn Ulrich Peters also seinen Intendantenvertrag mit Augsburg unbedingt brechen will, um 2007 nach München zu kommen, muss er sich auf ein Haus einstellen, das 893 Plätze hat, von denen, laut Verwaltungsdirektor, in der Saison 2003/ 04 im Schnitt nur 539 besetzt waren. Der Schwabe, dessen Drei-Sparten-Theater in Augsburg so gut wie konkurrenzlos ist, lobt sich gern selbst und teilt darum mit: "Es ist uns gelungen, das Publikum wieder in Scharen ins Theater zu locken."

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