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Da geht’s lang zum „Happy Sound“: Bandleader James Last (1929–2015) bei einem Konzert seiner Abschiedstournee.

Zum Tod von James Last

Der Bandleader der Bundesbürger

Es ist so gekommen, wie er es sich ausdrücklich gewünscht hat: Bis zuletzt war er auf Tour, aktiv, durfte Musik machen. Noch im Frühling bespielte er in Deutschland die Hallen. Nun ist Hans „James“ Last im Alter von 86 Jahren in seiner sonnigen Zweitheimat Florida gestorben – mutmaßlich als glücklicher Mann. Er hatte viel Glück gehabt und das wusste er.

Der Beamtensohn aus Bremen will unbedingt Musiker werden, aber es tobt der Zweite Weltkrieg – schlechte Zeiten für Künstlernaturen. Last schafft es aber, an der Heeresmusikschule Bückeburg aufgenommen zu werden und vom Einsatz als Flakhelfer verschont zu bleiben. Es wird endlos geübt, und Last ist weder von der Klassik noch von der Marschmusik besonders begeistert. Er mag moderne Tanzmusik, und das meint Swing und Jazz. Aber so etwas behält man im „Dritten Reich“ besser für sich – man kann damit schnell in Teufels Küche geraten. Denn Jazz und Swing hört man nur bei ausländischen „Feindsendern“, und das zu tun ist ein „Rundfunkverbrechen“.

Nach Kriegsende kann Last wie unzählige Musiker seiner Generation seine Leidenschaft ausleben; die US-Soldaten brauchen Unterhaltung. Last ist einer der Künstler, die schnell Fuß fassen, denn das Handwerk beherrscht der gelernte Kontrabassist. Es ist die Zeit erstaunlicher und schneller Karrieren. Eine ganze Generation war von den Nazis auf den Schlachtfeldern geopfert worden – die Jungen können und müssen nachrücken. Last wird noch 1945 Mitglied im Tanzorchester von Radio Bremen, später dann beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Er arrangiert viel und ist offen für Neues. Als einer der Ersten in Deutschland verwendet er eine elektrische Bass-Gitarre. Er entwickelt einen eigenen, damals sehr modernen Klang, nimmt erste Platten auf und tut 1965 etwas völlig Wahnsinniges: Der junge Familienvater lehnt das NDR-Angebot auf eine unbefristete Festanstellung ab, entscheidet sich, freischaffender Künstler zu werden, und ändert seinen Vornamen von Hans auf James, weil das „internationaler“ klingt. Vor allem aber prägt er unter dem Motto „Happy Sound“ ein eigenes Genre.

Die Musik wird ein Sensationserfolg. Last veröffentlicht mehrere Platten im Jahr, die so wunderbare Titel haben wie „Beat in Sweet“ oder „Beach Party“, und wird Dauergast in deutschen Wohnzimmern und Partykellern. Sein Geheimnis, nach seinen Worten: einfach den Rhythmus betonen. Das hat er sich bei den jungen Wilden der Popmusik abgehört, die damals als gemeingefährliche Kinderverderber gelten. Aber Last erkennt, dass beispielsweise die Beatles ihren Melodien mit geschickter Rhythmusarbeit Schwung verleihen, und überträgt das auf sein Idiom. Nun klingt sein Orchester nicht mehr so bräsig wie all die anderen Tanzcombos, aber immer noch vertraut genug, um auch brave Bundesbürger zu begeistern, die sonst Neuerungen misstrauen.

Bald schwappt der Erfolg ins Ausland über, „Hansi“ wird gern gesehener Repräsentant eines neuen, lässigen Deutschland. Der fröhliche Last mit seiner beschwingten Musik wird in Großbritannien geradezu kultisch verehrt, vor allem für seine Bearbeitungen klassischer Stücke, und selbst im fernen Japan ist James Last ein Begriff. Es geht die Legende, dass man in London eher an Karten für das Pokalendspiel in Wembley kommt als an Karten für Lasts Auftritte in der Royal Albert Hall. Es sind goldene Jahre. Insgesamt 80 Millionen Platten werden abgesetzt, und Last tourt mit seinem 40-köpfigen Gute-Laune-Orchester unermüdlich um die Welt. Das Feuilleton, überflüssig zu erwähnen, lässt oft kein gutes Haar an Last oder – Höchststrafe – ignoriert ihn.

Last macht weiter, auch als das Publikum weniger wird, der immense Aufwand lohnt kaum noch. In den Achtzigern wirkt er wie ein Mann von gestern. Im vermeintlichen Spaßjahrzehnt der Neunziger wird er wiederentdeckt, aber das Etikett „Easy Listening“ und die betonte Ironie der jungen Fans findet er furchtbar. Die Leute sollen Freude haben, das schon. Aber Respekt vor der Musik und seinen Künstlern. Spätestens in seinem letzten Lebensjahrzehnt hat jeder Respekt. Große Namen aus dem internationalen Film- und Musikgeschäft klopfen bei ihm an, und er arbeitet gerne mit ihnen zusammen. Sogar ein verwegener Rapper wie RZA will mit „Hansi“ aufnehmen.

Lesen Sie hier: James last im Merkur-Interview - "Ich beobachte, was die Jungen treiben"

„Hansi“ genießt das alles sehr, nicht zuletzt, weil er harte Zeiten hinter sich gebracht hat. Seine Frau, seine Jugendliebe, ist gestorben – und bis zu seinem 70. Lebensjahr muss er Schulden abzahlen. Der leidenschaftliche Musiker ist ein lausiger Geschäftsmann und hat sich windige Investments andrehen lassen. Aber er bleibt guter Dinge, bis zuletzt. Und: Er hat einen wunderbaren Humor, eine Gabe, die unter seinen Kollegen selten zu finden ist. Auf die Frage, was genau eigentlich seine Funktion im Orchester sei und was er auf der Bühne tue, antwortet er knochentrocken: „Nichts“.

Programmhinweis:

Das NDR Fernsehen sendet am Donnerstag um 23.30 Uhr die Dokumentation „Tschüss Hansi – Ein Abend für den Partysound“.

Von Zoran Gojic

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