Zungenbrecher

- Beschwerden, dieses meisterliche Doppel werde nie aufgeführt, müssen zurückgewiesen werden: Carl Orffs "Trionfo di Afrodite", vor allem seine "Catulli Carmina" sind kaum zu knackende Nüsse. Wenn es ein Ensemble gibt, das mit der fintenreichen Rhythmik, mit der kniffligen Intonation und den Zungenbrecher-Versen zurechtkommt, dann ist dies der Chor des Bayerischen Rundfunks _ was sich wohl auch Dirigent Ulf Schirmer dachte. Denn der konfrontierte die Sängerinnen und Sänger mit einem ICE-Tempo, das der Aufführung im Münchner Gasteig einen etwas krampfigen Auftakt bescherte.

<P>Rasant und überrumpelnd klang das gewiss. Doch es muss schon Raum bleiben für Orffs kantige, die Musik tragende Artikulation, sonst erschöpft sich alles in leicht verwischter Virtuosität. Überraschend auch, dass der BR-Chor die kammermusikalischen "Catulli" in Batallionsstärke bewältigte - offenbar notwendig, um sich gegen die beherzten Schlagwerker zu behaupten.</P><P>Ab dem A-cappella-Mittelteil, vor allem im stark gesteigerten "Trionfo di Afrodite" überwog das Staunen. Eine Lehrstunde in technischer Finesse war das, Orffs Beschwörungsformeln und seine kreisende Expressivität wurden von Chor (Einstudierung: Michael Gläser) und BR-Symphonikern imponierend über die Rampe gebracht. Schirmer bediente zwar die drastischen Momente, doch in Erinnerung bleibt dieser "Trionfo" durch den lässigen Swing, auch durch die lüsterne Atmosphäre in den verhaltenen Passagen.</P><P>Kevin Deas (Bass) fand hierfür die überzeugende Mischung aus oratorischem Singen und szenischen Andeutungen, bei Martina Rüping und Fabrice Dalis wirkte das halbkonzertante Spiel bemüht. Dalis lieferte sattes, opernhaftes Tenor-Pathos - für Orffs Stil nicht das ideale Mittel. Martina Rüping setzte dagegen kristallklare, mühelose Sopran-Reinheit. Große Begeisterung im Publikum, das wieder einmal ohne Text ins Konzert geschickt wurde. Womöglich wollte der BR das Abo A ja vor den hocherotischen Versen schützen.</P>

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